Aug 22

Zitate: Perfektion

Manchmal stolpert man beim Lesen über Textstellen oder Zitate – und dann bleibt man einfach hängen – weil der Gedanke uns fasziniert, anregt, etwas vereinfacht oder eben einfach sehr klar ist. Am Wochenende war es wieder soweit:

„Die Neurose unseres Zeitalters ist doch das Streben nach Perfektion. Das macht uns intolerant und wütend, wenn Menschen nicht so sind, wie wir sie haben möchten. Das alte jüdisch-christliche Modell war, der Mensch sei fehlerhaft und braucht göttliche Vergebung. Heutzutage allerdings ist perfekt zu sein die neue Theologie. Das ist Gift für jede Beziehung. Wenn zwei Menschen der Ansicht sind, du bist perfekt und ich auch, dauert es nicht lange, bis Probleme auftauchen. Menschen trennen sich dann schnell, weil sie glauben, das sei das Ende ihrer Liebe. Dabei ist das ein guter Moment, sich gegenseitig wirklich kennenzulernen. Wahre Liebe besteht vor allem aus Vergeben und darin, schlechtes Verhalten gut zu interpretieren.“

Ist der Text nicht wundervoll? Vielleicht ist es wirklich so einfach? Ich habe jedenfalls lange darüber nachgedacht. Stimmt das so oder zumindest teilweise (es sind ja mehrere Behauptungen)? Kennt man Beispiele? Vielleicht sogar aus dem persönlichen Umfeld usw. ? Wie man eben über Sachen nachdenkt. Aber ich will das hier gar nicht weiter vertiefen. Jeder sollte ja für sich denken.

Der Text ist übrigens aus der SZ Wochenendausgabe vom 20./21. August: Ein Interview mit Alain de Boston über das Thema: ‚Liebe‘ (Alltagsphilosoph und Bestsellerautor)

Aug 14

Macher statt Verwalter

Die Macher fehlen! Als ich den Beitrag „Gründergeist an der Konzernspitze gesucht“ im Handelsblatt las, musste ich schmunzeln und eine gewisse Genugtuung erfüllt mich. Warum? Schon in meinem Buch ‚Die Weisheit der Roulettekugel‚ habe ich versucht darzustellen, dass Organisationen in der Regel die belohnen – insbesondere durch Karrieresprünge – die sich anpassen, kein Risiko eingehen und genau die, die nicht das machen, was sinnvoll ist, sondern das, was ‚oben gut ankommt‘. Das ist der Trick! Sitzfleisch zählt – nicht Mut. Damit hat man Erfolg in Unternehmen: „Ein Sozialjongleur, der geschmeidig nach außen wirkt, aber mit der Wucht einer Dampfwalze zum eigenen Vorteil wirkt, wird bei Personalentscheidungen bevorzugt“ (ebd.). Der Artikel im Handelsblatt ist insofern sehr interessant, weil Unternehmen inzwischen wohl feststellen, dass der Unternehmergeist so verloren geht. An der Spitze stehen die glattgebügelten Planer – mit der klassischen Manager-Vita – und die suchen jetzt händeringend Gründer und Unternehmer.
Dilbert 6a00e54fd9f0598833017616e5c528970c-800wiDie Unternehmen sind vollgestopft mit Verwaltern (was ich selber bei der Siemens AG kennengelernt habe: an den entscheidenden Positionen findet man immer die braven Bewahrer, aber: „Macher statt Verwalter sind gefragt.“). „Im schlimmsten Fall folgt die Konzernsklerose: Der unternehmerische Biss geht verloren, immer neue Verwaltungsschichten machen das Unternehmen träge. Querdenker werden weggebissen, Innovationen aus Sorge um das lukrative Kerngeschäft ausgebremst.“ (ebd.) Unternehmen haben das inzwischen auch festgestellt und reagieren. Man möchte Mitarbeiter ‚kultivieren‘, damit sie „Unternehmer im Unternehmen“ werden. Das ist jedoch sowas von absurd! Wie soll das gehen? Gehen Sie mal zu ihrem Chef und sagen, er solle die Aufgaben jetzt selber machen, da man jetzt als Unternehmer im Unternehmen (Intrapreneur ist der Fachterminus!) ganz andere Verpflichtungen hat. Ein Irrsinn und ich habe trotz großer medialer Popularität noch kein einziges funktionierendes Beispiel aus Unternehmen erlebt. Ein anderer Versuch ist, den Silicon Valley Geist ins Unternehmen zu holen – Stichwort Start-Up-Community (dazu schrieb ich ja schon eine Kolumne). Im Prinzip sind das jedoch alles verzweifelte Versuche, das angenehme Verwalterdasein im Unternehmen zu bewahren und doch etwas Agilität in die Organisation zu holen. Würde man ernsthaft was ändern wollen, würde man die ganzen unbeweglichen Verwalter, Aussitzer und Karriereopportunisten feuern (vielleicht nicht alle, ein paar braucht man noch, zumindest aber an den entscheidenden Positionen). Und alle ersetzen mit Machern, Querulanten, Gründern und Freigeistern!

Dilbert_Produktstrategie

Aug 12

Industrie 4.0 ? oder besser Basic 1.0 ?

Eine zeitlang war ich großer Fan von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Aus Überzeugung! Weil ich den technischen Fortschritt mag und ich mich viel mit Innovationen beschäftige (und lehre). Die Erwartungen sind ja auch enorm, es wird ja schon von Revolution gesprochen (und spätestens dann sollte man dem mit etwas Skepsis begegnen.) Arbeitsplatz der Zukunft:

Und manchmal kommen mir dann auch richtig konkret Zweifel. Irgendwas läuft schief. Mein Gefühl geht in die Richtung, dass es andere ‚Baustellen‘ gibt, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung bräuchten als die Optimierung der Produktion.

Ein Beispiel aus der Realwelt: Ich habe für meinen Drucker Tintenpatronen bestellt (wohlgemerkt: August 2016). Das mag nichts Besonderes sein. Man recherchiert etwas und bestellt dann – in dem Fall bei Amazon. Auftragswert: 15 Euro und da es etwas dringend ist, lasse ich mich darauf ein, die Prime-Mitgliedschaft zu testen. Die Tinte – so wird zugesichert – sei dann am nächsten Tag da. Das war aber vor einer Woche. Continue reading

Aug 07

Rätsel

„Wunschdenken, Unkenntnis und dadurch geprägte Fehlentscheidungen stehen nämlich am Beginn der meisten vom Menschen verursachten Katastrophen.“ 

Ein ziemlich schlauer Gedanke, der insbesondere bei dem derzeit politischen Gebaren ein Erklärungsversuch für die glücklos agierenden Eliten seien könnte.

Aber: wer hat es formuliert?

Lösungsvorschläge werden hier gerne veröffentlicht.

Aug 04

Petra Hinz, SPD

So einfach geht das! Gutenberg gab sich ja noch Mühe mit seiner Promotion, also zumindest insofern als er sie an der Uni einreichte. Aber wie gesagt, es geht einfacher. Einfach den Lebenslauf ändern! Ruck-Zuck ist man Jurist. Das ist Betrug vom allerfeinsten. Und das allerschlimmste ist, es wird wohl geduldet. Es gibt nicht mal eine Form von Tatbestand. Das heisst, es ist nicht einmal im Strafrecht vorgesehen. Wenn eine Kassiererin einen Pfandbon einlöst, wird sie entlassen (Tatbestand: € 1,30). Als Abgeordnete vertritt die Dame (immer noch, bis zum heutigen Tage!) das deutsche Volk. Na dann, gute Nacht Deutschland. Betrug wird salonfähig und kaum geahndet – und ab € 100.000 wohl erst recht nicht. Deutschland ist ein / wird zum Paradis für Betrüger. Das ist echt nicht mehr mein Deutschland! Man kann sich doch nur noch schämen. Und ausgerechnet die SPD! Angeblich könne man nichts dagegen machen. Häh?

petra-hinz-bundestagSo einfach kommt man zum Studium. Und angeblich hat niemand was gemerkt. Ist klar. Jeder Bürger muss alle möglichen Urkunden vorzeigen und z. T. beglaubigen lassen, sobald Verantwortung übernommen wird. In der Politik offensichtlich nicht. Da nennt man das dann innovativ!

Jul 28

Immanuel Kant und die ‚Kritik der reinen Vernunft‘

So, jetzt sind Ferien und ich habe mir fest vorgenommen, endlich mal die ‚Kritik der reinen Vernunft‘ komplett zu lesen. Angefangen hatte ich zwar schon, aber wie es so ist, es liegen noch 20 andere spannende Bücher rum…. Der Immanuel hat sich ja nicht so wahnsinnig Mühe gegeben, so zu schreiben, dass es die Leser auch verstehen. Nun ja, er hatte was zu sagen – wenn man sich durch gekämpft hat, ist man erstaunt über die schlauen Gedanken. Es ist so ziemlich der Gegenentwurf eines heutigen Bestsellers (wenig Substanz wird wahnsinnig toll vermittelt).

Los geht es mit der transzendentalen Ästhetik und leider erst einmal vielen Grundbegriffen. Gespannt bin ich auf die Ausflüge in die Erkenntnistheorie. Statt einfach zu lesen wie einen Krimi werde ich es wohl eher durcharbeiten. Vorgenommen habe ich mir jeden Tag 10 Seiten. Das klingt vielleicht wenig, aber ich will es lesen und verstehen. Kann man sowas rezensieren? Ich weiss es noch nicht, mal sehen.

Naja, ich werde weiter berichten. Den Abschluss der Lektüre werde ich mit einem Glas Champagner feiern.

Ein kleiner Vorgeschmack (wirklich sehenswert!)

Jul 19

Sommerloch? Demokratie? Europa?

Nicht mal mehr auf das dröge Sommerloch ist mehr Verlass. Die Welt ist verrückt geworden. Eine Schockmeldung jagt die nächste. Brexit, Nizza, Putschversuch und nun Würzburg (Frau Künast möchte der Gewalt wohl mit einem Stuhlkreis begegnen und zeigt einmal mehr, wie weltfremd die Grünen inzwischen geworden sind). Die Einschläge kommen näher. Die Politik ist … ratlos. Einfach ratlos. Brexit? Was erlauben sich die Briten! Man redet von Vernunft. Es wäre doch viel vernünftiger für die Briten, in der EU zu bleiben. Sie wollen es trotzdem nicht. Und hier fällt zum ersten mal sehr deutlich auf, dass die Eliten in Europa ( also die Brüssler Behörde zumindest) sich weit entfernt hat. Und der Verdacht kommt auf, dass sie das Volk – die Völker – für zu doof halten für richtige Entscheidungen. Die Eliten entscheiden schon im Sinne des Volkes, keine Sorge: „Wir wissen schon, was richtig ist für euch und Europa“ denkt man sich. Und das macht mir ernsthaft Sorge. Wie passt das zur Demokratie? Heisst Demokratie nicht die Macht des Volkes? Und sollten nicht Regierungen die Meinung des Volkes respektieren, auch wenn sie ‚unvernünftig‘ erscheint?
Auch in der Türkei wird nun viel über Demokratie geredet. Gerade im Zusammenhang mit ‚Säuberungen‘ ahnt man, dass der Begriff wohl Schaden nehmen wird bzw. neu justiert werden muss. Zumindest ist in UK die ehrlichste Demokratie unterwegs. Selbst in Deutschland muss man sich fragen, wie demokratisch legitimiert sind Entscheidungen (wahrscheinlich Bauchentscheidungen?) der Kanzlerin zur Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge? Nicht einmal das Parlament wurde einbezogen. Ein Anruf mit Österreich hat genügt und seit dem ‚Wir schaffen das!‘ (Warum wird das eigentlich als ‚Flüchtlingskrise‘ bezeichnet, wenn alles so einfach zu schaffen ist?) Jedenfalls zeichnen sich Parallelen zwischen Merkel und Erdogan ab. Das ist kein gutes Jahr für Europa und keins für die Demokratie. Wie schön wäre jetzt ein Sommerloch.

Ergänzung 23.07.: Und nun München! Es wundert nur, dass Frau Künast nicht schon wieder Ermittlungshinweise gegeben hat.

Jun 22

Brexit? Warum eigentlich nicht?

Morgen soll sich Großbritannien entscheiden: Weiterhin in der EU oder eben nicht. Also Austritt aus der EU. Nun spricht einen Menge für das Bleiben in der EU aber noch viel mehr für das Austreten. Ich muss gestehen, ich war bis vor kurzem ein ziemlicher Fan des Europa-Gedankens. Aber was ist aus Europa geworden? Es ist ein Elend! Ein riesiger Apparat versucht von Brüssel aus Europa zu steuern – zentrale Planwirtschaft lässt grüßen. Bisher ist das kaum aufgefallen – allen hat das gefallen, niemand wurde richtig weh getan. Die EU-Bürokraten träumten vom ganz großen Europa. Hier habe ich das erste mal gestutzt. Was genau ist die Idee des Europa? Machtverschiebung? Man hat den Eindruck. Die EU verhält sich wie ein Nationalstaat – auf anderer Ebene – aber eigensinnig, egoistisch und Machtversessen. Das groteske ist, Europabefürworter reagieren fast reflexartig auf alle nationalen Bemühungen sofort mit dem Vorwurf des nationalen Egoismus. Aber was ist schlimmer? Nationalismus auf EU Ebene oder auf Staatsebene?

Der für den Bürger erkennbare Nutzen – das Schengen-Abkommen wurde mit der Flüchtlingskrise relativ zügig in Frage gestellt. Überhaupt wurde sehr deutlich, dass die EU in Krisensituationen einen Totalausfall darstellen. Absolutes Versagen – weder in der Flüchtlingskrise noch in der Griechenlandkrise war Entscheidungswille oder Souveränität zu spüren. Kommt es zu Problemen, helfen sich die Nationalstaaten am besten selbst. Und die EU wird vor allem gemolken – Subventionen sind gern gesehen.

Das Ideal von Europa ist lange gestorben. Schon an der Argumentation der Briten lässt sich das doch erkennen. Es werde den Briten schlechter gehen, wenn die EU verlassen wird. Ist das die Idee von Europa? Das ist erbärmlich. Gefeilsche um Sonderrollen und Extrawürste. Ich denke, nur mit dem Austritt der Briten kann irgendwie ein Neuanfang gelingen. Aber dann ohne Heuchelei und ohne Extraregelungen bitte. Im Falle, dass die Briten pro EU stimmen, wird wohl weiterhin die Selbstgefälligkeit regieren. Und Europa wird zum Alptraum.

Jun 08

Die überforderte Politik

Schon lange geht mir das durch den Kopf: Das Unvermögen der Politiker und warum es so schwer ist, daran was zu ändern. Naiv wie ich bin, denke ich, vom Volk gewählte Politiker sollten ihre Energie darauf verwenden, das Wohl des Landes zu schützen, das Volk zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen usw.
Und dann schaut man sich folgendes Video an (falls das Video nicht angezeigt wird, hier das Original vom Report Mainz):

Zur Anmerkung, das Video wurde am 07.06. im Ersten deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Inzwischen scheint es sich auch bei den öffentlichen Rundfunksendern rumgesprochen zu haben, dass nicht alle Bürger die Angst haben Nazis sind.

Der entscheidende Punkt ist: der Staat kommt seiner Pflicht nicht mehr nach, wohlgemerkt das sind grundsätzliche Pflichten des Staates, also nichts was man als Sonderwünsche.

In einem Post von Gabor Steinhart – den Herausgeber des Handelsblattes (der in der Regel durch seine Omnipräsenz und gefühlt hohe Geltungssucht auffällt) bringt es hier jedoch ziemlich gut auf den Punkt:

„Hierzulande wächst keine Branche so stark wie das Gewerbe der Einbrecher. Plus 50 Prozent bei Hauseinbrüchen und Einbruchsversuchen seit 2007 muss man wohl einen Superboom nennen. Die Chancen, geschnappt zu werden, liegen bei nur 15 Prozent, das Risiko, anschließend auch noch verurteilt zu werden, sogar bei nur drei Prozent. Das heißt: 97 Prozent aller Einbrecher gehen straffrei aus. Für ein Land, dessen Wirtschaftssystem auf Erwerb, Besitz und Schutz von privatem Eigentum basiert, sind diese Zahlen unakzeptabel. Es gibt Skandale, die bleiben auch dann Skandale, wenn kein Politiker sich mehr darüber aufregen mag.“

Da wird jeder Innovationsmanager blass. Solche Wachstumsraten bei so geringem Risiko schafft kein Start-Up-Unternehmen. Also werden Sie Einbrecher! Die Unterstützung des Staates ist einem insofern gewiss, als das er nichts dagegen unternimmt – also schon mal keine bürokratischen Hürden oder so.

Mich wundert eigentlich nur, warum sich die Politik wundert, dass die Umfragewerte so katastrophal sind und das die AFD so stark ist (SPD: stabil bei 20 Prozent und auf dem Weg zur Randgruppe) Da wird soviel geschwafelt und so selten geht es um die Menschen im Land. Noch nicht einmal wenn es – wie im Video gezeigt – Tote gibt, erkennt man das Problem. Die Politik sieht keinen Handlungsbedarf – und entfernt sich immer weiter vom Volk.

Mrz 31

Vom Risiko und anderen Bedeutungslosigkeiten

Ich liebe solche Cartoons – genau die, die es genau auf den Punkt bringen.
In den Organisationen sagt das natürlich nie jemand so deutlich. Es wird hübsch verpackt oder oftmals ist man sich nicht mal der Gefahr bewusst.
Ich glaube, die Sicherheit in der Organisation wird oft verwechselt mit der generellen Sicherheit – im Wettbewerb z.B.. Wenn die ganze Organisation wankt, nützt die innerbetriebliche Sicherheit wenig. Aber das erklär mal einem Risikomanager, der bald in den Ruhestand geht.

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