Jun 22

Brexit? Warum eigentlich nicht?

Morgen soll sich Großbritannien entscheiden: Weiterhin in der EU oder eben nicht. Also Austritt aus der EU. Nun spricht einen Menge für das Bleiben in der EU aber noch viel mehr für das Austreten. Ich muss gestehen, ich war bis vor kurzem ein ziemlicher Fan des Europa-Gedankens. Aber was ist aus Europa geworden? Es ist ein Elend! Ein riesiger Apparat versucht von Brüssel aus Europa zu steuern – zentrale Planwirtschaft lässt grüßen. Bisher ist das kaum aufgefallen – allen hat das gefallen, niemand wurde richtig weh getan. Die EU-Bürokraten träumten vom ganz großen Europa. Hier habe ich das erste mal gestutzt. Was genau ist die Idee des Europa? Machtverschiebung? Man hat den Eindruck. Die EU verhält sich wie ein Nationalstaat – auf anderer Ebene – aber eigensinnig, egoistisch und Machtversessen. Das groteske ist, Europabefürworter reagieren fast reflexartig auf alle nationalen Bemühungen sofort mit dem Vorwurf des nationalen Egoismus. Aber was ist schlimmer? Nationalismus auf EU Ebene oder auf Staatsebene?

Der für den Bürger erkennbare Nutzen – das Schengen-Abkommen wurde mit der Flüchtlingskrise relativ zügig in Frage gestellt. Überhaupt wurde sehr deutlich, dass die EU in Krisensituationen einen Totalausfall darstellen. Absolutes Versagen – weder in der Flüchtlingskrise noch in der Griechenlandkrise war Entscheidungswille oder Souveränität zu spüren. Kommt es zu Problemen, helfen sich die Nationalstaaten am besten selbst. Und die EU wird vor allem gemolken – Subventionen sind gern gesehen.

Das Ideal von Europa ist lange gestorben. Schon an der Argumentation der Briten lässt sich das doch erkennen. Es werde den Briten schlechter gehen, wenn die EU verlassen wird. Ist das die Idee von Europa? Das ist erbärmlich. Gefeilsche um Sonderrollen und Extrawürste. Ich denke, nur mit dem Austritt der Briten kann irgendwie ein Neuanfang gelingen. Aber dann ohne Heuchelei und ohne Extraregelungen bitte. Im Falle, dass die Briten pro EU stimmen, wird wohl weiterhin die Selbstgefälligkeit regieren. Und Europa wird zum Alptraum.

Jun 08

Die überforderte Politik

Schon lange geht mir das durch den Kopf: Das Unvermögen der Politiker und warum es so schwer ist, daran was zu ändern. Naiv wie ich bin, denke ich, vom Volk gewählte Politiker sollten ihre Energie darauf verwenden, das Wohl des Landes zu schützen, das Volk zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen usw.
Und dann schaut man sich folgendes Video an (falls das Video nicht angezeigt wird, hier das Original vom Report Mainz):

Zur Anmerkung, das Video wurde am 07.06. im Ersten deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Inzwischen scheint es sich auch bei den öffentlichen Rundfunksendern rumgesprochen zu haben, dass nicht alle Bürger die Angst haben Nazis sind.

Der entscheidende Punkt ist: der Staat kommt seiner Pflicht nicht mehr nach, wohlgemerkt das sind grundsätzliche Pflichten des Staates, also nichts was man als Sonderwünsche.

In einem Post von Gabor Steinhart – den Herausgeber des Handelsblattes (der in der Regel durch seine Omnipräsenz und gefühlt hohe Geltungssucht auffällt) bringt es hier jedoch ziemlich gut auf den Punkt:

„Hierzulande wächst keine Branche so stark wie das Gewerbe der Einbrecher. Plus 50 Prozent bei Hauseinbrüchen und Einbruchsversuchen seit 2007 muss man wohl einen Superboom nennen. Die Chancen, geschnappt zu werden, liegen bei nur 15 Prozent, das Risiko, anschließend auch noch verurteilt zu werden, sogar bei nur drei Prozent. Das heißt: 97 Prozent aller Einbrecher gehen straffrei aus. Für ein Land, dessen Wirtschaftssystem auf Erwerb, Besitz und Schutz von privatem Eigentum basiert, sind diese Zahlen unakzeptabel. Es gibt Skandale, die bleiben auch dann Skandale, wenn kein Politiker sich mehr darüber aufregen mag.“

Da wird jeder Innovationsmanager blass. Solche Wachstumsraten bei so geringem Risiko schafft kein Start-Up-Unternehmen. Also werden Sie Einbrecher! Die Unterstützung des Staates ist einem insofern gewiss, als das er nichts dagegen unternimmt – also schon mal keine bürokratischen Hürden oder so.

Mich wundert eigentlich nur, warum sich die Politik wundert, dass die Umfragewerte so katastrophal sind und das die AFD so stark ist (SPD: stabil bei 20 Prozent und auf dem Weg zur Randgruppe) Da wird soviel geschwafelt und so selten geht es um die Menschen im Land. Noch nicht einmal wenn es – wie im Video gezeigt – Tote gibt, erkennt man das Problem. Die Politik sieht keinen Handlungsbedarf – und entfernt sich immer weiter vom Volk.

Mrz 31

Vom Risiko und anderen Bedeutungslosigkeiten

Ich liebe solche Cartoons – genau die, die es genau auf den Punkt bringen.
In den Organisationen sagt das natürlich nie jemand so deutlich. Es wird hübsch verpackt oder oftmals ist man sich nicht mal der Gefahr bewusst.
Ich glaube, die Sicherheit in der Organisation wird oft verwechselt mit der generellen Sicherheit – im Wettbewerb z.B.. Wenn die ganze Organisation wankt, nützt die innerbetriebliche Sicherheit wenig. Aber das erklär mal einem Risikomanager, der bald in den Ruhestand geht.

5e38d538-b2ab-45a4-a2f5-19c55d1ac561-original

Feb 07

Warum sind und bleiben Unternehmen erfolgreich?

Die Frage ist ja nicht neu, aber immer wieder spannend. Eigentlich ist es ganz einfach: als Unternehmen muss man sich ändern können. Es muss möglich sein, sich auf Marktveränderungen anzupassen und es muss möglich sein, aus der Organisation heraus Innovationen und Veränderungen anzustoßen. Das klingt einfach, aber wenn man sich Organisationen anschaut, stellt man fest, es ist eigentlich unmöglich, zumindest in den traditionellen Organisationsformen. Wer soll in einer Organisation die Veränderung bewirken? Bestehende Machtkonstellationen werden Veränderungen immer verhindern, da es Machtverlust bedeutet. Veränderungen werden erfahrungsgemäß, was ich bei Siemens mehrfach selbst erleben konnte, verschleppt. Um dann, wenn es sich wirklich nicht mehr vermeiden lässt extrem schmerzhaft zu sein. Aber es muss wohl so sein. Unternehmen müssen eben auch Pleite gehen können, niemand hat versprochen, dass Firmen für immer existieren. Wenn man es so betrachtet, wundert man sich eigentlich nur noch, warum so viele mittelmäßige Organisationen überhaupt noch da sind.

Feb 01

Wenn Unwissenheit auf Innovationswille trifft …

Der Wunsch nach Innovationen ist ungebrochen. Disruption ist das neue Stichwort (man kann getrost auch von Hype sprechen). Auffällig ist, dass im Moment gefühlt alle großen Unternehmen auf Start-Up machen. Das ist natürlich albern und wird nur im Ausnahmefall zu wirklichen Innovationen führen. Warum? Man braucht es sich ja nur einmal vorstellen: Auf der einen Seite die super-coolen Nerds vom Start-Up. Die haben eine Idee und brauchen Geld. Also wirklich: nur Geld, sonst nichts. Auf der anderen Seite: die üblichen Innovationsmanager oder sie nennen sich auch Manager New Business oder so. Die sind schon total angepasst an die Organisation, haben kaum Ideen und auch wenig Vorstellungskraft. Aber sie haben Geld. Also das Konzept ist wie sonst beim Innovationsmanagement: Idee sucht Geld. Es ist nichts anderes. Die Unsicherheit bleibt und der UmganUnbenanntg mit der Unsicherheit ist immer noch das eigentliche Problem – Start-Up hin oder her. Am Grunddilemma der großen Unternehmen mit guten Innovationen ändert sich nichts. Die meisten wollen große Innovationen aber niemand möchte das Risiko der Innovation eingehen bzw. es minimieren.  Managementfehler lassen sich nicht mit Start-Ups beheben. Dilbert bringt es ja wie so oft schon sehr schön auf den Punkt. Aber bei dem Thema zeigt sich sogar die HBR mal kritisch gegenüber der Innovationsfreude und Veränderungsbereitschaft großer Unternehmen.

12631461_10154060392539767_6010192520883714646_nIdeen und Innovationen kämpfen in der Regel gegen den ganzen Apparat – und bei Start-Ups wird sich daran nichts ändern. Der Chief Idea Killer wird sich schon darum kümmern, dass das Risiko gering bleibt und dafür dann wieder eine total überteuert Akquisition (Stichwort: Dreier-Rand) anstoßen.

Jan 05

Kluge Menschen in dummen Organisationen

Jeder kennt kluge Menschen oder hat eine Vorstellung davon. Aber dumme Organisationen? Ab welchem Punkt kann man sagen, dass eine Organisation ‚dumm‘ ist? Was ist überhaupt das richtige Kriterium?

Das ist wieder eine dieser Fragen, die mich nicht mehr loslassen in der Adventszeit. Hilfe bei der Beantwortung bekomme ich bei einem Interview von Reinhard Sprenger bei Welt-Online „Wir sind alle Marionetten des Managerschnickschnacks“.

extViele schlaue Leute sind zusammen keine kluge Organisation, andererseits können viele weniger Begabte zusammen eine smarte Organisation darstellen. Was ist der Unterschied?
Den einzigen und alleinigen Grund macht das Management. Und leider ist das nicht offensichtlich erkennbar. Aber ein mittelmäßiges Management führt maximal zu einer mittelmäßigen Organisation, egal wie helle die Mitarbeiter sind.