Jul 28

Immanuel Kant und die ‚Kritik der reinen Vernunft‘

So, jetzt sind Ferien und ich habe mir fest vorgenommen, endlich mal die ‚Kritik der reinen Vernunft‘ komplett zu lesen. Angefangen hatte ich zwar schon, aber wie es so ist, es liegen noch 20 andere spannende Bücher rum…. Der Immanuel hat sich ja nicht so wahnsinnig Mühe gegeben, so zu schreiben, dass es die Leser auch verstehen. Nun ja, er hatte was zu sagen – wenn man sich durch gekämpft hat, ist man erstaunt über die schlauen Gedanken. Es ist so ziemlich der Gegenentwurf eines heutigen Bestsellers (wenig Substanz wird wahnsinnig toll vermittelt).

Los geht es mit der transzendentalen Ästhetik und leider erst einmal vielen Grundbegriffen. Gespannt bin ich auf die Ausflüge in die Erkenntnistheorie. Statt einfach zu lesen wie einen Krimi werde ich es wohl eher durcharbeiten. Vorgenommen habe ich mir jeden Tag 10 Seiten. Das klingt vielleicht wenig, aber ich will es lesen und verstehen. Kann man sowas rezensieren? Ich weiss es noch nicht, mal sehen.

Naja, ich werde weiter berichten. Den Abschluss der Lektüre werde ich mit einem Glas Champagner feiern.

Ein kleiner Vorgeschmack (wirklich sehenswert!)

Jun 08

Die überforderte Politik

Schon lange geht mir das durch den Kopf: Das Unvermögen der Politiker und warum es so schwer ist, daran was zu ändern. Naiv wie ich bin, denke ich, vom Volk gewählte Politiker sollten ihre Energie darauf verwenden, das Wohl des Landes zu schützen, das Volk zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen usw.
Und dann schaut man sich folgendes Video an (falls das Video nicht angezeigt wird, hier das Original vom Report Mainz):

Zur Anmerkung, das Video wurde am 07.06. im Ersten deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Inzwischen scheint es sich auch bei den öffentlichen Rundfunksendern rumgesprochen zu haben, dass nicht alle Bürger die Angst haben Nazis sind.

Der entscheidende Punkt ist: der Staat kommt seiner Pflicht nicht mehr nach, wohlgemerkt das sind grundsätzliche Pflichten des Staates, also nichts was man als Sonderwünsche.

In einem Post von Gabor Steinhart – den Herausgeber des Handelsblattes (der in der Regel durch seine Omnipräsenz und gefühlt hohe Geltungssucht auffällt) bringt es hier jedoch ziemlich gut auf den Punkt:

„Hierzulande wächst keine Branche so stark wie das Gewerbe der Einbrecher. Plus 50 Prozent bei Hauseinbrüchen und Einbruchsversuchen seit 2007 muss man wohl einen Superboom nennen. Die Chancen, geschnappt zu werden, liegen bei nur 15 Prozent, das Risiko, anschließend auch noch verurteilt zu werden, sogar bei nur drei Prozent. Das heißt: 97 Prozent aller Einbrecher gehen straffrei aus. Für ein Land, dessen Wirtschaftssystem auf Erwerb, Besitz und Schutz von privatem Eigentum basiert, sind diese Zahlen unakzeptabel. Es gibt Skandale, die bleiben auch dann Skandale, wenn kein Politiker sich mehr darüber aufregen mag.“

Da wird jeder Innovationsmanager blass. Solche Wachstumsraten bei so geringem Risiko schafft kein Start-Up-Unternehmen. Also werden Sie Einbrecher! Die Unterstützung des Staates ist einem insofern gewiss, als das er nichts dagegen unternimmt – also schon mal keine bürokratischen Hürden oder so.

Mich wundert eigentlich nur, warum sich die Politik wundert, dass die Umfragewerte so katastrophal sind und das die AFD so stark ist (SPD: stabil bei 20 Prozent und auf dem Weg zur Randgruppe) Da wird soviel geschwafelt und so selten geht es um die Menschen im Land. Noch nicht einmal wenn es – wie im Video gezeigt – Tote gibt, erkennt man das Problem. Die Politik sieht keinen Handlungsbedarf – und entfernt sich immer weiter vom Volk.

Jan 05

Kluge Menschen in dummen Organisationen

Jeder kennt kluge Menschen oder hat eine Vorstellung davon. Aber dumme Organisationen? Ab welchem Punkt kann man sagen, dass eine Organisation ‚dumm‘ ist? Was ist überhaupt das richtige Kriterium?

Das ist wieder eine dieser Fragen, die mich nicht mehr loslassen in der Adventszeit. Hilfe bei der Beantwortung bekomme ich bei einem Interview von Reinhard Sprenger bei Welt-Online „Wir sind alle Marionetten des Managerschnickschnacks“.

extViele schlaue Leute sind zusammen keine kluge Organisation, andererseits können viele weniger Begabte zusammen eine smarte Organisation darstellen. Was ist der Unterschied?
Den einzigen und alleinigen Grund macht das Management. Und leider ist das nicht offensichtlich erkennbar. Aber ein mittelmäßiges Management führt maximal zu einer mittelmäßigen Organisation, egal wie helle die Mitarbeiter sind.

Dez 28

Inflation der Disruption

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Fahren auf der Autobahn – ohne zu lenken – mit dem Tesla S

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Ohne zu ‚lenken‘

Ursprünglich wurden Umbrüche und Revolutionen im Technologiesektor als Disruption bezeichnet. Also eine wirklich fundamentale Änderung des Geschäftsmodells oder eine neue Technologie, die die Benutzung dramatisch vereinfacht oder verbessert – der Buchdruck bspw.. Eigentlich sollte klar sein, dass solche Disruptionen nicht beliebig oft auftreten sondern eher selten (schon weil Anwender auch nur eine begrenzte Kapazität haben). Blickt man auf das Jahr 2015 zurück, hat man das Gefühl, alles wäre irgendwie disruptiv. Inflationär in der Ausbreitung – zumindest medial. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: nicht viel Neues auf dem Markt der Innovationen. Aber irgendwie ist ein Hype entstanden – aber eben nur auf der ‚Wollen-Seite“Können-Seite‘ hat sich nicht viel getan. Das muss schief gehen. Positiv an der Entwicklung ist, dass das Thema Innovation wieder ins Bewusstsein der Betriebsstrategen gelangt ist. Nur Innovationen können zukünftigen Erfolg sichern, ist plötzlich wieder en vogue. Und da man ja wirklich wettbewerbsfähig sein möchte, geht es gleich in die Königsdisziplin. Nicht einfach nur Innovationen, nein, gleich die radikalen Sachen – nicht kleckern sondern klotzen. Ich frage mich nur die ganze Zeit, wie das gehen soll. Organisationen, die bisher darauf trainiert wurden, möglichst keine Fehler zu machen und in denen sich vor allem durchsetzt, was im Management ‚gut ankommt‘ sind niemals in der Lage, Ideen mit revolutionären Potential umzusetzen. Es kann nicht funktionieren. Entscheidungen werden in großen Organisationen prinzipiell von schwachen, ideenlosen Opportunisten gefällt. Organisationen belohnen Anpassung und Konformität aber doch nicht radikale Veränderung! Jahrelang konnte ich bei Siemens das Spiel beobachten. Die stromlinienförmigen Anpasser werden doch nicht die Karriere aufs Spiel setzen, durch riskante und ungewisse Manöver. Das Innovationsklima wurde systematisch ruiniert, wichtige Posten sind längst nach Konformität statt nach Originalität besetzt worden. Um wieder innovativer zu werden, müsste man die Innovationsverweigerer feuern und durch Quergeister ersetzen. Macht das jemand? Ist mir nicht bekannt. Man lässt alles wie es ist und fördert jetzt StartUps und lässt auch mal die Krawatte weg (dann glaubt man, mehr Silicon-Valley-like zu sein) . Man möchte es erzwingen, aber bei Innovationen funktioniert ‚viel Geld bedeutet viel Innovation‘ nicht. Manager reden sich besoffen vor lauter Disruption.  Auf der Ein wirklich interessanter Artikel in der FAZ zum Thema Disruption. Zitat aus dem Text: „Die Blödmänner, die bis vor kurzem von Nachhaltigkeit gesülzt haben, faseln jetzt von Disruption, um sich nach oben zu strampeln“, spottet eine Führungskraft aus der Autoindustrie. Und vor lauter schwadronieren und sülzen über Disruptionen hat man die dann wohl glatt vergessen. Mir ist keine wirkliche Disruption ‚made in Germany‘ für das Jahr 2015 bekannt. Das selbst fahrende Auto mit den Software-Updates hat das Potential, ist aber von Tesla. Während in Deutschland (vor allem bei Siemens?!) noch über Disruptionen geredet wird, wird in den USA (wieder einmal) eine revolutionäre Idee umgesetzt.

Dez 27

Geheimnisse der Welt: Sagrada Familia

Sagrada Familia: Unvollendetes Bauwerk – 1882 mit dem Bau begonnen, geplante Fertigstellung ist 2026 zum 100. Todestag von Gaudi. In vielerlei Hinsicht ist das Bauwerk eine Sensation. Es ist eine Innovation! Sowohl architektonisch gesehen als auch gesellschaftlich. Ursprünglich ist es die Sühnekirche der heiligen Familie, aber längst ist es ein gesellschaftlich-politischer Auftrag. Der Bau hat zwei Weltkriege überstanden, eine Diktatur und Weltwirtschaftskrisen. Heute symbolisiert es die Wechselwirkung zwischen Moderne und Stabilität. Es gibt keinen Plan und dennoch wird weiter gebaut, der höchste Punkt soll über 170m sein. Ein unsystematisches System – das ist die Innovation mit doppelt gekrümmten Flächen, einzigartig!

Ein beeindruckender Film von Arte versucht das Geheimnis zu lüften. Sehr spannend und man kann nur hoffen, dass der Bau tatsächlich vollendet wird.

Dez 01

SPD, CDU, FDP, Grüne … warum ich niemals in eine Partei gehen werde.

Es ist ja nicht so, dass ich keine politische Meinung vertrete und die auch nicht artikulieren kann, aber braucht man dazu eine Partei – SPD, CDU, FDP, Grüne? Ganz klar: NEIN. Einmal mehr wurde diese Woche deutlich, dass Parteien (in dem Fall die SPD, aber die anderen verhalten sich da sicher ebenso) an Borniertheit und Verbissenheit kaum zu überbieten sind. Was war passiert:

Die Chefin der Jusos – Johanna Ueckermann – hat in einer Rede eine Bewertung für den SPD-Chef abgegeben:  „Sigmar Gabriel gebe ich für seine Politik in der großen Koalition und als Parteivorsitzender eine Vier minus“  Wumm, das hat gesessen und wurde nur noch durch den Hinweis verstärkt, dass die Politik Merkels nun (endlich mal) zu loben sei. Natürlich wird noch eine Begründung dazu abgeliefert.

In der Wählergunst kommt die SPD seit Jahren nicht weit über 25% – es scheint also so zu sein, dass größere Teile der Bevölkerung und insbesondere die Wähler ebenso über Gabriel denken. Man könnte also meinen: ‚OK, wissen ja sowieso alle, nichts Neues also.‘ Aber genau an dem Punkt wird es lustig (zumindest für Außenstehende, für die Partei selber ist es derart blamabel, dass es schwer zu toppen sein wird). Einige Reaktionen aus der SPD-Führungsspitze:
Hubertus Heil: „…fällt eigener Partei in den Rücken. Unlogisch, unsolidarisch, unklug“
Yasmin Fahimi: „Ich höre wohl schlecht: Jusos loben die Kanzlerin?“
So richtig offenbart jedoch Thomas Oppermann, wessen Geistes Kind er ist: Uekermann habe sich „total verrannt“. Sie sei „konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern“ (Rheinische Post).
Das ist wie in der Planwirtschaft. Alles wird ‚von oben‘ geplant und bewertet. Richtig ist nur, was man ‚oben‘ auch für richtig befindet. Gute Politik wird also in der Parteispitze festgelegt. Man fragt sich natürlich, wozu es eine Partei dann überhaupt gibt bzw. wozu es Parteimitglieder braucht. Ein gutes Parteimitglied ist jemand, der alles gut findet, nicht widerspricht und ohne zu mucken alles unterstützt, was die Spitze so umtreibt. Ist das nicht furchtbar? 

Einen richtigen Diskurs, also einen Meinungsaustausch, bei dem es nicht nur darum geht, dass die Parteispitze ‚IHRE‘ Politik erklärt, sondern auch tatsächlich eine gemeinsame Meinung entsteht, gibt es kaum. Selbst die Grünen – jahrelang bekannt für interne Diskussionen – freunden sich mit der Top-Down Politik an.

Aber wen kann man da noch ruhigen Gewissens wählen?

 

Zum Film: Sigmar Gabriel in Hochform: mitentscheiden, mitbestimmen, Blödsinn … (ab ca 1:50)

Nov 22

Entdeckermomente: Maker Space

Meine Großeltern hatten in ihrem Haus eine große Werkstatt. Ich erinnere mich, dass mich dieser Ort magisch anzog, wahrscheinlich so wie es Harry Potter nach Hogwarts zog. Eine Mischung aus Chaos, vorsichtigen Versuchen eines Ordnungsschemas und viel Handwerkergeschick wollte erkundet werden. Alles war voller Werkzeuge und an mehreren Werkbänken hätte man loswerkeln können. Eine kleine Hängelampe warf einen recht kleinen Lichtkegel auf den Ort des Geschehens: Fahrräder wurden repariert, Schlösser mit neuen Schlüsseln versehen, die Elektrik ganzer Siedlungen wurde wohl in dieser Werkstatt instand gesetzt. Mein Großvater war ein geduldiger Mann und die Versuche, mir etwas beizubringen, waren vielfältig. Mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber immer ein Garant für diese wundervollen Momente, die ich Entdeckermomente nennen möchte. Er half mir, eine große Windmühle zu bauen und diese mit einem alten Waschmaschinenmotor anzutreiben (dass das keinen Sinn macht, war erst einmal egal, Hauptsache war, dass sich das Teil ordentlich dreht). Es gab eigentlich nichts, was man nicht machen konnte. Es war eine wunderbare Zeit, so einzigartig, wie sie eben nur Großväter mit ihren Enkeln erleben können und an die sich die Enkel dann ein ganzes Leben erinnern.
Und nun gibt es seit einigen Monaten das Maker Space in München. Im Prinzip ist das die Werkstatt meines Großvaters in groß, hell, modern und noch mehr Möglichkeiten. Die Entdeckermomente stehen Schlange und ich bin mir sicher: mein Großvater wäre auch ein Maker.

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Fotos: I.Bachmann

 

Okt 23

Letzte Gedanken

Steve Jobs Worte an uns alle vor seinem Tod. Worte zum Nachdenken:

„Ich habe den Gipfel des Erfolgs in der Geschäftswelt erreicht.

In den Augen der Menschen gilt mein gesamtes Leben als eine Verkörperung des Erfolgs.
Jedoch abgesehen von meiner Arbeit, habe ich wenig Freude in meinem Leben. Letztendlich gilt mein Reichtum nur als Fakt des Lebens, an den ich gewohnt bin.

In diesem Augenblick, wo ich in einem Krankenbett liege und auf mein ganzes Leben zurückblicke, verstehe ich, dass all die Anerkennung und all der Reichtum, worauf ich so stolz war, an Wert verloren haben vor dem Gesicht des kommenden Todes.

In der Dunkelheit, wenn ich die grünen Lämpchen der Lebenserhaltungsmaschinen beobachte und mir das mechanische Brummen dieser Maschinen anhöre, fühle ich die Atmung des Todes immer näher auf mich zukommen.
Jetzt weiß ich, dass wir uns komplett anderen Fragen im Leben stellen müssen, die mit Reichtum nichts gemeinsam haben.

Es muss dort noch etwas sein, das sich uns als viel Wichtigeres im Leben erweist: Womöglich ist es eine zwischenmenschliche Beziehung, womöglich Kunst, womöglich auch Träume in unserer Kindheit…
Non-Stop im Erreichen des Reichtums macht einen Menschen zu einer Marionette, was auch mir passiert ist.

Gott hat uns solche Eigenschaften wie Gefühle für das Leben mitgegeben, damit wir in jedes Herz das Gefühl der Liebe überbringen können. Es darf keine Illusion bestehen bezüglich des Reichtums.

Den Reichtum, den ich im Verlaufe meines Lebens angehäuft habe, kann ich jetzt nicht mitnehmen.
Was ich jetzt noch mitnehmen kann, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren und mit Liebe erschaffen worden sind.

Das ist der wahrhafte Reichtum, der euch jedes mal folgen muss, euch begleiten muss, der euch Kraft und Licht gibt um weiterzugehen.

Die Liebe kann wandern und reisen, wohin sie will. Denn genau wie das Leben, kennt auch die Liebe keine Grenzen.
Geht dorthin, wo ihr hingehen wollt. Erreicht Höhepunkte in eurem Leben, die ihr erreichen wollt. Die ganze Kraft dafür liegt in euren Herzen und euren Händen.
„Welches Bett gilt als das reichste Bett der Welt?“ – „Es ist das Bett eines Kranken“ …
Ihr könnt euch vielleicht einen Chauffeur leisten, der für euch das Auto lenken wird. Oder ihr könnt euch Mitarbeiter leisten, die für euch das Geld verdienen würden. Niemand aber wird für euch all eure Krankheiten mittragen können. Das müsst ihr ganz alleine.
Materielle Werte und Sachen, die wir mal verloren haben, können wiedergefunden werden.

12243021_10153403049785326_6957769267303651498_nEs gibt aber eine Sache, die nicht wiedergefunden werden kann, wenn sie verloren geht – und das ist DAS LEBEN.

Wenn ein Mensch sich einem Operationstisch zubewegt, dann versteht er auf einmal, dass es noch ein Buch gibt, das er noch nicht zu Ende gelesen hat – und das ist „Das Buch über ein gesundes Leben“.

Es ist nicht wichtig, in welcher Lebensetappe wir uns gerade befinden. Jeder von uns wird früher oder später zu diesem Moment kommen, wo der Vorhang für ihn fallen wird.

Dein Reichtum – das ist die Liebe zu deiner Familie, das ist die Liebe zu deiner Frau und deinem Mann, das ist die Liebe zu deinen Nächsten.
Passt auf euch auf und sorgt euch um die anderen.“

Sep 14

Zwischen WOLLEN und KÖNNEN – Flüchtlingskrise

Mit einem mal ist Deutschland wieder sehr beliebt – vom Austeritäts-Zuchtmeister Europas zum gefeierten Großzügigkeitsstaat mit viel Herzlichkeit und Wärme. Man reibt sich verwundert die Augen.
Ohne Zweifel ist Europa und Deutschland in einer Ausnahmesituation. Die bisherigen Regeln und Verordnungen helfen nicht mehr in der neuen Lage. Und jetzt wird es spannend. Aus Sicht der Systemtheorie ein sehr interessanter Entwicklungspunkt. Als (fast) neutraler Beobachter kann man zunächst feststellen, dass Europa überfordert ist. Und zwar nicht Europa (was ist Europa?) sondern die EU-Kommission. Mit der Griechenland-Krise hat sie schon keine gute Figur abgegeben, aber nun versagt sie komplett. Gilt Dublin noch? Gilt Schengen noch? Seit Jahren gibt es einen Grenzzaun in Melilla und Ceuta um Flüchtlinge vom Eintritt in die Europäische Union zwischen Marokko und Spanien abzuhalten. Bisher hat das kaum jemand gestört und in der breiten Öffentlichkeit und der Politik war es wohl akzeptiert.

Sub-Saharan migrants reach MelillaFoto: Spiegel
Der 6m-Zaun in Melilla wird hier gerade überwunden.

Schließlich sollen ja die EU-Außengrenzen ‚geschützt‘ werden. Warum wird nun Ungarn dafür angeprangert, dass es seine Grenze ebenso schützt? Es ist kaum erklärbar aber es ist zu vermuten, dass vielen – Politikern wie Bürgern in Europa – nun erst richtig bewusst wird, in welchem Dilemma Europa eigentlich steckt. Es wankt zwischen Betroffenheit, Hilfsbereitschaft, Vernunft und Abschreckung. Continue reading