Nov 22

Entdeckermomente: Maker Space

Meine Großeltern hatten in ihrem Haus eine große Werkstatt. Ich erinnere mich, dass mich dieser Ort magisch anzog, wahrscheinlich so wie es Harry Potter nach Hogwarts zog. Eine Mischung aus Chaos, vorsichtigen Versuchen eines Ordnungsschemas und viel Handwerkergeschick wollte erkundet werden. Alles war voller Werkzeuge und an mehreren Werkbänken hätte man loswerkeln können. Eine kleine Hängelampe warf einen recht kleinen Lichtkegel auf den Ort des Geschehens: Fahrräder wurden repariert, Schlösser mit neuen Schlüsseln versehen, die Elektrik ganzer Siedlungen wurde wohl in dieser Werkstatt instand gesetzt. Mein Großvater war ein geduldiger Mann und die Versuche, mir etwas beizubringen, waren vielfältig. Mal mehr, mal weniger erfolgreich, aber immer ein Garant für diese wundervollen Momente, die ich Entdeckermomente nennen möchte. Er half mir, eine große Windmühle zu bauen und diese mit einem alten Waschmaschinenmotor anzutreiben (dass das keinen Sinn macht, war erst einmal egal, Hauptsache war, dass sich das Teil ordentlich dreht). Es gab eigentlich nichts, was man nicht machen konnte. Es war eine wunderbare Zeit, so einzigartig, wie sie eben nur Großväter mit ihren Enkeln erleben können und an die sich die Enkel dann ein ganzes Leben erinnern.
Und nun gibt es seit einigen Monaten das Maker Space in München. Im Prinzip ist das die Werkstatt meines Großvaters in groß, hell, modern und noch mehr Möglichkeiten. Die Entdeckermomente stehen Schlange und ich bin mir sicher: mein Großvater wäre auch ein Maker.

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Fotos: I.Bachmann

 

Okt 23

Letzte Gedanken

Steve Jobs Worte an uns alle vor seinem Tod. Worte zum Nachdenken:

„Ich habe den Gipfel des Erfolgs in der Geschäftswelt erreicht.

In den Augen der Menschen gilt mein gesamtes Leben als eine Verkörperung des Erfolgs.
Jedoch abgesehen von meiner Arbeit, habe ich wenig Freude in meinem Leben. Letztendlich gilt mein Reichtum nur als Fakt des Lebens, an den ich gewohnt bin.

In diesem Augenblick, wo ich in einem Krankenbett liege und auf mein ganzes Leben zurückblicke, verstehe ich, dass all die Anerkennung und all der Reichtum, worauf ich so stolz war, an Wert verloren haben vor dem Gesicht des kommenden Todes.

In der Dunkelheit, wenn ich die grünen Lämpchen der Lebenserhaltungsmaschinen beobachte und mir das mechanische Brummen dieser Maschinen anhöre, fühle ich die Atmung des Todes immer näher auf mich zukommen.
Jetzt weiß ich, dass wir uns komplett anderen Fragen im Leben stellen müssen, die mit Reichtum nichts gemeinsam haben.

Es muss dort noch etwas sein, das sich uns als viel Wichtigeres im Leben erweist: Womöglich ist es eine zwischenmenschliche Beziehung, womöglich Kunst, womöglich auch Träume in unserer Kindheit…
Non-Stop im Erreichen des Reichtums macht einen Menschen zu einer Marionette, was auch mir passiert ist.

Gott hat uns solche Eigenschaften wie Gefühle für das Leben mitgegeben, damit wir in jedes Herz das Gefühl der Liebe überbringen können. Es darf keine Illusion bestehen bezüglich des Reichtums.

Den Reichtum, den ich im Verlaufe meines Lebens angehäuft habe, kann ich jetzt nicht mitnehmen.
Was ich jetzt noch mitnehmen kann, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren und mit Liebe erschaffen worden sind.

Das ist der wahrhafte Reichtum, der euch jedes mal folgen muss, euch begleiten muss, der euch Kraft und Licht gibt um weiterzugehen.

Die Liebe kann wandern und reisen, wohin sie will. Denn genau wie das Leben, kennt auch die Liebe keine Grenzen.
Geht dorthin, wo ihr hingehen wollt. Erreicht Höhepunkte in eurem Leben, die ihr erreichen wollt. Die ganze Kraft dafür liegt in euren Herzen und euren Händen.
„Welches Bett gilt als das reichste Bett der Welt?“ – „Es ist das Bett eines Kranken“ …
Ihr könnt euch vielleicht einen Chauffeur leisten, der für euch das Auto lenken wird. Oder ihr könnt euch Mitarbeiter leisten, die für euch das Geld verdienen würden. Niemand aber wird für euch all eure Krankheiten mittragen können. Das müsst ihr ganz alleine.
Materielle Werte und Sachen, die wir mal verloren haben, können wiedergefunden werden.

12243021_10153403049785326_6957769267303651498_nEs gibt aber eine Sache, die nicht wiedergefunden werden kann, wenn sie verloren geht – und das ist DAS LEBEN.

Wenn ein Mensch sich einem Operationstisch zubewegt, dann versteht er auf einmal, dass es noch ein Buch gibt, das er noch nicht zu Ende gelesen hat – und das ist „Das Buch über ein gesundes Leben“.

Es ist nicht wichtig, in welcher Lebensetappe wir uns gerade befinden. Jeder von uns wird früher oder später zu diesem Moment kommen, wo der Vorhang für ihn fallen wird.

Dein Reichtum – das ist die Liebe zu deiner Familie, das ist die Liebe zu deiner Frau und deinem Mann, das ist die Liebe zu deinen Nächsten.
Passt auf euch auf und sorgt euch um die anderen.“

Sep 14

Zwischen WOLLEN und KÖNNEN – Flüchtlingskrise

Mit einem mal ist Deutschland wieder sehr beliebt – vom Austeritäts-Zuchtmeister Europas zum gefeierten Großzügigkeitsstaat mit viel Herzlichkeit und Wärme. Man reibt sich verwundert die Augen.
Ohne Zweifel ist Europa und Deutschland in einer Ausnahmesituation. Die bisherigen Regeln und Verordnungen helfen nicht mehr in der neuen Lage. Und jetzt wird es spannend. Aus Sicht der Systemtheorie ein sehr interessanter Entwicklungspunkt. Als (fast) neutraler Beobachter kann man zunächst feststellen, dass Europa überfordert ist. Und zwar nicht Europa (was ist Europa?) sondern die EU-Kommission. Mit der Griechenland-Krise hat sie schon keine gute Figur abgegeben, aber nun versagt sie komplett. Gilt Dublin noch? Gilt Schengen noch? Seit Jahren gibt es einen Grenzzaun in Melilla und Ceuta um Flüchtlinge vom Eintritt in die Europäische Union zwischen Marokko und Spanien abzuhalten. Bisher hat das kaum jemand gestört und in der breiten Öffentlichkeit und der Politik war es wohl akzeptiert.

Sub-Saharan migrants reach MelillaFoto: Spiegel
Der 6m-Zaun in Melilla wird hier gerade überwunden.

Schließlich sollen ja die EU-Außengrenzen ‚geschützt‘ werden. Warum wird nun Ungarn dafür angeprangert, dass es seine Grenze ebenso schützt? Es ist kaum erklärbar aber es ist zu vermuten, dass vielen – Politikern wie Bürgern in Europa – nun erst richtig bewusst wird, in welchem Dilemma Europa eigentlich steckt. Es wankt zwischen Betroffenheit, Hilfsbereitschaft, Vernunft und Abschreckung. Continue reading

Aug 16

Idee trifft Realität

Es ist bei vielen Entscheidern immer noch nicht angekommen: Innovationen sind ein wirklich kompliziertes Geschäft. Die weit verbreitete Ansicht, eine ‚gute‘ Idee (was auch immer das ist!) braucht einen richtig guten Business Plan und fertig ist die Innovation. Das ist FALSCH, bzw. es genügt vielleicht für Micky-Mouse-Innovationen. Man kann es jedoch so oft erzählen wie man will, die Erkenntnis scheint gerade in großen Unternehmen nicht anzukommen. Chefs entscheiden Was und Wie innoviert wird, basiert auf den Management-Theorien vom Anfang des 20.Jahrhunderts (Taylor: Command and Control). Der spannende Punkt bei jeder Idee / Innovation ist der ‚Idee trifft Realität‘ Punkt. Das Video von Astro Teller bringt vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken (es lohnt sich, es ganz anzuschauen, auch wenn es die Twitter-geprägte Aufmerksamkeitsspanne erheblich herausfordert.

Jun 10

Erstaunliche Experimente (4) : Der Kruger & Dunning – Effekt

Sokrates formulierte es einmal so: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das klingt sehr weise, dabei war Sokrates ein Gelehrter und sicher nicht dumm. Die sich daraus ergebende spannende Frage lautet: ‚Was weiß man über das Wissen?‘ oder anders: ‚Was kann man über das Wissen wissen?‘  Klar ist, man braucht ein Grundwissen, um Wissen beurteilen zu können. Das gilt für das eigene Wissen genauso wie für die Beurteilung von anderen. Bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sind die meisten Menschen wohl überfordert. Wie sonst ist es erklärbar, dass auf die Frage ‚Gehören Sie zur besseren Hälfte der Autofahrer?‘ die Mehrheit mit JA antwortet? Besonders junge, männliche Autofahrer, die nachgewiesener Maßen in überproportional viele Unfälle verwickelt sind, überschätzen sich und ihre Fähigkeiten dramatisch. Das Phänomen gilt aber nicht nur im Strassenverkehr; im Gegenteil es ist weit verbreitet.

Justin Kruger und David Dünnung ( Kruger & Dunning ) veröffentlichten 1999 die Ergebnisse einer erstaunlichen Versuchsreihe. Versuchspersonen sollten Aufgaben aus Bereichen wie Logik oder Grammatik lösen und außerdem die Qualität von Witzen beurteilen. Zusätzlich sollten sie nach dem Test angeben, ob sie glaubten, dass sie besser als die Hälfte oder sogar besser als zwei Drittel ihrer Konkurrenten abgeschnitten hätten. Was bei diesen Experimenten zutage kam, war verblüffend: Nahezu sämtliche Probanden stuften sich selbst als besser als 60 bis 70 Prozent der anderen ein. Gerade diejenigen, die mit ihren Testergebnissen zu den schlechtesten 25 Prozent gehörten, neigten am häufigsten dazu, ihre Leistungen geradezu grotesk zu überschätzen. Hingegen unterschätzten die besten zehn Prozent der Testpersonen regelmäßig ihre Leistungen – wenn auch in verhältnismäßig geringem Ausmaß. Was die Forscher aber besonders schockierte: Selbst als sie den Teilnehmern die Ergebnisse der anderen zeigten, ihnen also die Chance gaben, sich selbst realistischer einzuschätzen, korrigierten die Probanden aus dem schwächsten Viertel ihr übertriebenes Selbstbild nicht. Flapsig gesprochen: Sie waren zu dumm, um die eigene Dummheit zu erkennen, und strotzten weiterhin vor Selbstbewusstsein.
In den Augen von Dunning und Kruger lassen diese Befunde auf einen gesetzmäßigen Zusammenhang schließen: Je weniger jemand von einer Sache versteht, desto weniger ist er imstande, seine eigene Inkompetenz zu erkennen und zu beurteilen, wie viel oder wie wenig andere von dieser Sache verstehen. »Es ist schwer zu wissen, dass man keine Ahnung hat. Denn wenn man wüsste, dass man von einer Sache keine Ahnung hat, wüsste man auch, was man lernen muss, um nicht länger ahnungslos zu sein«, erklärt Dunning.

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Jun 02

Panzer übersehen

der-unfall-von-der-anderen-seite-Wie die Polizei mitteilte, kam es in Detmold (NRW) zu einem tragischen Unfall. Eine junge Frau, die als Fahranfängerin eingestuft wurde, kollidierte mit einem Panzer. Als Grund für den Zusammenstoß wurde angegeben, die Frau übersah die Panzerkolonne.

Nun frage ich mich:
‚Wie kann man einen Panzer übersehen ?‘

 

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Es war sogar eine Panzerkolonne, die da übersehen wurde. Ich finde keine Antwort, denke aber, bei normaler Fahrweise ist das schlicht nicht möglich. Was also mag die junge Frau da in dem Auto gemacht haben? Vielleicht telefoniert?

Fotos: Polizei Lippe

Mai 05

Täglicher Streikbericht

Kommt es mir nur so vor, oder ist es tatsächlich so, dass die Streiklaune in Deutschland deutlich zugenommen hat? Täglich neue Meldungen: Deutsche Bahn (ok, seit 10 Monaten erfolglose Verhandlung macht nervös), Postbank, Sicherheitsdienste (in Berlin wird das Bargeld knapp!), Krankenhaus und nun auch Kindergärten und weitere (Piloten pausieren grad, jedoch kaum aus Einsicht).
Natürlich haben Streiks Auswirkungen auf das tägliche Leben. Das ist ja genau die Idee vom Streik, ohne Auswirkungen wären sie sinnlos. Das kann man gut finden oder nicht (gerade wenn man betroffen ist).
Nun kann man sich fragen ‚Warum auf einmal so viele Streiks?‘ Man kann nur spekulieren. Kann es sein, dass viele das Gefühl haben, dass der Wohlstandszuwachs ungleich verteilt wird? Täglich kann man lesen: Schäuble kann mit höheren Steuereinnahmen rechnen.  Was macht der eigentlich mit dem Geld? Ich glaube, bei detaillierterer Erklärung bzgl. des Verbleibs wären die Begehrlichkeiten seitens der Steuerzahler geringer und die Streiktendenz eventuell weniger ausgeprägt. Ist nur so eine Idee.

Beim Bahnstreik kann man beobachten wie blank die Nerven liegen. Beim Namen Weselsky steigt in Deutschland der gesellschaftliche Blutdruck. Sogar die SPD vergisst ihre Ideale. Frau Nahles plant das Tarifeinheitsgesetz. Da reibt man sich die Augen, war nicht die SPD bisher das Sprachrohr der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Interessen? Aber offensichtlich wittert die SPD nun Kontrollverlust. Interessenvertretung geht eben nur so weit, wie es die SPD gut findet.
Sehr seltsam ist das alles. Ich bin auch oft von Streiks betroffen (vor allem Bahn!) und sicher nicht immer einverstanden mit den Streikwilligen. Was ich aber immer geschätzt habe, ist die Tarifautonomie – also die Ansicht, das die Tarifparteien sich da irgendwie einigen müssen. Und zwar egal wie und das muss man eben auch mal aushalten. Wenn sich Nahles nun jedoch durchsetzt, ist es damit vorbei. Dann gibt es nur noch Kuschelstreiks, also welche, die nicht weh tun. Aber halt, geht damit nicht die Wirksamkeit des Streiks verloren? Ausgerechnet die SPD, die sich doch immer als Aushängeschild der Arbeiterklasse sah. Verkehrte Welt irgendwie, aber bei der SPD wundert man sich ja kaum noch über was.

Mrz 05

Die Blitzerwarner

„Vollidiot auf der A94! Mit überhöhter Geschwindigkeit fährt auf der linken Fahrspur der Bundesautobahn A94 ein PKW in Richtung Osten. Der Drängler versucht mit Lichthupe und blinken vorausfahrende Autos zum verlassen der Fahrspur zu bewegen. Die Polizei ist verständigt“
So eine Meldung wünschte ich mir mal von den Radiosendern. Stattdessen biedern sich die Rundfunkstationen in einer erbärmlichen Art und Weise an:
„Peter hat einen Blitzer gemeldet. Aus einem weissen Caddy in der Landshuter Allee stadtauswärts wird fotografiert.“ Eigentlich höre ich gerne und oft Radio, aber wenn solche Meldungen kommen, frage ich mich dann. ‚Was für ein Idiot ist wohl Peter?‘ Und welche Art von Service wird hier auch mit öffentlichen Geldern gefördert? Unfassbar!
Niemand mag Raser und Drängler. Aber irgendwie scheint sich das Hirn abzuschalten, wenn man meint, man kann sich verbünden gegen die ‚Abzocker‘ der Polizei. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch. Was sonst könnte jemanden dazu bringen, die Gefährder der Verkehrssicherheit auch noch zu warnen?

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Die hatten alles unter Kontrolle, leider gabs keinen Blitzerwarner

Nun ist es ja nicht so, dass nicht schon erwiesen wäre, dass überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptursachen für Unfälle und Unfälle mit Todesfolge ist. Und dennoch lassen sich Radiosender instrumentalisieren und helfen dabei, dass die Verursacher seltener zur Rechenschaft gezogen werden. Sehr traurig.

 

Wenn es nach mir ginge (mich fragt aber wohl niemand), wäre ich viel radikaler:
Jedes Fahrzeug wäre mit einem Fahrtenschreiber ausgestattet. Sobald das Fahrzeug die angegebene Höchstgeschwindigkeit überschreitet wird das Bußgeld automatisch vom Konto abgebucht (Schäuble spitzt die Ohren …) . Peter und andere Blitzwarner müssten ein Jahr lang mit einem Aufkleber ‚Vollidiot‘ auf der Heckscheibe rumfahren. Radiosender auf der anderen Seite wären verpflichtet, nur Meldungen die tatsächlich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen, zu verbreiten. Radiomoderatoren, die dennoch Blitzerwarnungen verbreiten, würden zu Sozialstunden in Unfallstationen oder beim Notarzt verpflichtet.

Zu schnell fahren ist kein Kavaliersdelikt sondern eine Gefahr und niemand sollte das unterstützen!