Jun 10

Erstaunliche Experimente (4) : Der Kruger & Dunning – Effekt

Sokrates formulierte es einmal so: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das klingt sehr weise, dabei war Sokrates ein Gelehrter und sicher nicht dumm. Die sich daraus ergebende spannende Frage lautet: ‚Was weiß man über das Wissen?‘ oder anders: ‚Was kann man über das Wissen wissen?‘  Klar ist, man braucht ein Grundwissen, um Wissen beurteilen zu können. Das gilt für das eigene Wissen genauso wie für die Beurteilung von anderen. Bei der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sind die meisten Menschen wohl überfordert. Wie sonst ist es erklärbar, dass auf die Frage ‚Gehören Sie zur besseren Hälfte der Autofahrer?‘ die Mehrheit mit JA antwortet? Besonders junge, männliche Autofahrer, die nachgewiesener Maßen in überproportional viele Unfälle verwickelt sind, überschätzen sich und ihre Fähigkeiten dramatisch. Das Phänomen gilt aber nicht nur im Strassenverkehr; im Gegenteil es ist weit verbreitet.

Justin Kruger und David Dünnung ( Kruger & Dunning ) veröffentlichten 1999 die Ergebnisse einer erstaunlichen Versuchsreihe. Versuchspersonen sollten Aufgaben aus Bereichen wie Logik oder Grammatik lösen und außerdem die Qualität von Witzen beurteilen. Zusätzlich sollten sie nach dem Test angeben, ob sie glaubten, dass sie besser als die Hälfte oder sogar besser als zwei Drittel ihrer Konkurrenten abgeschnitten hätten. Was bei diesen Experimenten zutage kam, war verblüffend: Nahezu sämtliche Probanden stuften sich selbst als besser als 60 bis 70 Prozent der anderen ein. Gerade diejenigen, die mit ihren Testergebnissen zu den schlechtesten 25 Prozent gehörten, neigten am häufigsten dazu, ihre Leistungen geradezu grotesk zu überschätzen. Hingegen unterschätzten die besten zehn Prozent der Testpersonen regelmäßig ihre Leistungen – wenn auch in verhältnismäßig geringem Ausmaß. Was die Forscher aber besonders schockierte: Selbst als sie den Teilnehmern die Ergebnisse der anderen zeigten, ihnen also die Chance gaben, sich selbst realistischer einzuschätzen, korrigierten die Probanden aus dem schwächsten Viertel ihr übertriebenes Selbstbild nicht. Flapsig gesprochen: Sie waren zu dumm, um die eigene Dummheit zu erkennen, und strotzten weiterhin vor Selbstbewusstsein.
In den Augen von Dunning und Kruger lassen diese Befunde auf einen gesetzmäßigen Zusammenhang schließen: Je weniger jemand von einer Sache versteht, desto weniger ist er imstande, seine eigene Inkompetenz zu erkennen und zu beurteilen, wie viel oder wie wenig andere von dieser Sache verstehen. »Es ist schwer zu wissen, dass man keine Ahnung hat. Denn wenn man wüsste, dass man von einer Sache keine Ahnung hat, wüsste man auch, was man lernen muss, um nicht länger ahnungslos zu sein«, erklärt Dunning.

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Mai 20

Management Portraits im Vergleich

Mit Interesse verfolge ich die Entwicklung im Management von Unternehmen, deren Lenker und Persönlichkeiten. Natürlich gibt es nicht nur die Glanzzeiten und Feierstimmungen, welche oftmals auf ‚offiziellen‘ Fotos abgebildet sind . Wesentlich spannender als die Pressefotos sind die Augenblicke der Ernüchterung und der Erkenntnis ‚Hoppla, hier ist was schief gelaufen.‘ Wenn man sich die Bilder dann im Vergleich anschaut, kann man einiges über die betrachtete Person erfahren. In der nachfolgenden Tabelle enthält die Spalte ‚Something wrong here‘ die weniger glänzenden Momente. Ich habe sie mir ganz genau angeschaut. Was verraten die Augen, was die Mundwinkel oder die Körperhaltung? Vielleicht täusche ich mich, aber die Mimik verrät in den meisten Fällen vor allem, dass man unzufrieden ist und die Ursachen eher woanders als bei sich selber sucht. Wenn die Lippen so zusammen gepresst werden, spürt man förmlich die Mischung aus Unmut, Selbstgefälligkeit und Trotz. Manchmal ist auch etwas Ratlosigkeit (z.B. Heide Simones nach der missglückten Wiederwahl) dabei, aber Selbstzweifel sind weit und breit nicht erkennbar. Das finde ich bemerkenswert. Es ist gar nicht mal so sehr der Grund für den Unmut oder ob es gerechtfertigt ist oder nicht was mich so fesselt, sondern einfach die Mimik. Ich bin davon fasziniert, was die Portraits von ein und der selben Person in zwei verschiedenen Situationen verraten kann, was wahrscheinlich sogar verborgen bleiben sollte.

Management Portraits:

‚The sky is the limit‘ ‚Something wrong here‘
File photo of Fitschen Co-CEO of Deutsche Bank Jürgen Fitschen,
CEO Deutsche Bank
Juergen Fitschen Attends Ruhr Initiative Congress
silvio-berlusconi-2-540x304Silvio Berlusconi,
Ex-Premier von Italien
Silvio-Berlusconi-_1751740a
Wölbern-Invest-owner-Heinrich-Maria-Schulte-Source-Arnold-Morascher-for-Handelsblatt schulte-540x304
Heinrich Maria Schulte,
Ex-Wölbern Invest Chef
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Thomas Middelhof,
Ex- Arcandor-Chef
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Kaeser_Joesf300dpi-AufmacherJoe Kaeser,
CEO Siemens
joe-kaeser-108~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135Ein möglicher Grund könnte hier zu finden sein:
‚Der Mann, der Josef Käser über den Tisch zog.‘
(Bilanz Magazin Mai 2015, S.26)
11527620 Uni Bayreuth prueft Plagiatsvorwuerfe gegen zu GuttenbergKarl-Theodor zu Guttenberg,
Ex-Verteidigungsminister
_41368874_apotheker203afpLeo Apotheker,
Ex-HP/SAP-Chef
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simonis_heide_spd.jpg;jsessionid=EF502588B726867DD580C0A134D198BBHeide Simonis,
Ex-Ministerpräsidentin Schleswig-Holstein
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Blatter0901_468x337 Joseph-Blatter Joseph Blatter, FIFA Präsident
Fotos: Handelsblatt, FAZ, SZ, WiWo, Welt, Abendblatt

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Wow, selbst als US-Geheimdienstchef gibt es wohl Grund für Ärgernisse – in dem Fall über den BND.
Freunde werden die sicher nicht mehr, aber es ist ja auch eine Frechheit, wenn die Krauts nicht mehr das machen wollen, was der mächtigste Spionage-Boss will, „Alles Flaschen!“

Mrz 25

Wie man immer Neukunde bleibt

Nicht der Kunde ist König, sondern ‚Der Neukunde ist König‚. So müsste es neuerdings heißen.

Schon immer war es wohl so, dass Unternehmen ihre Kunden irgendwie in ‚Bestandskunden‘ und ‚Neukunden‘ einteilten. Nun scheint diese Praktik einer Entwicklung zu weichen, die man durchaus als überhitzt bezeichnen kann. Denn was mal harmlos begann – Neukunden bekamen eine kleine Aufmerksamkeit zum neuen Vertrag, entwickelt sich zu einem wahren Wettkampf. Viele Märkte sind gesättigt, Wachstum ist nur über Verdrängung möglich. Das bedeutet: Abwerbung. Das bedeutet aber auch, jeder Bestandskunde ist für andere Firmen potentieller Neukunde.
Man kann nun beobachten, dass sich viele Firmen vor allem auf die Gewinnung von Neukunden konzentrieren, Vertrieb und Marketing sehen das als eine ihrer Hauptaufgaben. Für Bestandskunden fühlt sich traditionell kaum jemand verantwortlich. ‚Customer Service‘ wäre geeignet, in der Regel treten die jedoch nur noch bei Problemen bzw. nur bei massiven Problemen (bei kleineren Problemen gilt immer öfter: ‚help yourself‘).

Nun ist es ja so, dass Kunden auch dazu lernen. In dem Fall z.B.: als Neukunde bekommt man den besten Service, als Bestandskunde ist man in der Regel Bittsteller. Das führt dazu, dass man eigentlich immer Neukunde bleiben möchte. Wie geht das? Nun, sobald ein neuer Vertrag abgeschlossen ist, sollte man sofort kündigen, SOFORT!

Viele Unternehmen wollen ihre Kunden ja erziehen – man denke nur an die Entwicklung zur Selbstbedienung (und nun auch Selbstbezahlung z.B. bei IKEA) Die Kunden lernen jedoch auch dazu. Und als Bestandskunde steigt nicht unbedingt die Zufriedenheit, wenn man zwar mit dem Service zufrieden ist, jedoch erkennen muss, dass man als Kunde 2.Klasse behandelt wird

Und so kann man als Kunde auch seinen Lieferanten oder Serviceanbieter erziehen, zumindest ein stückweit. Diese sind zwar irritiert, aber vielleicht bewirkt es ja etwas.

Mrz 05

Die Blitzerwarner

„Vollidiot auf der A94! Mit überhöhter Geschwindigkeit fährt auf der linken Fahrspur der Bundesautobahn A94 ein PKW in Richtung Osten. Der Drängler versucht mit Lichthupe und blinken vorausfahrende Autos zum verlassen der Fahrspur zu bewegen. Die Polizei ist verständigt“
So eine Meldung wünschte ich mir mal von den Radiosendern. Stattdessen biedern sich die Rundfunkstationen in einer erbärmlichen Art und Weise an:
„Peter hat einen Blitzer gemeldet. Aus einem weissen Caddy in der Landshuter Allee stadtauswärts wird fotografiert.“ Eigentlich höre ich gerne und oft Radio, aber wenn solche Meldungen kommen, frage ich mich dann. ‚Was für ein Idiot ist wohl Peter?‘ Und welche Art von Service wird hier auch mit öffentlichen Geldern gefördert? Unfassbar!
Niemand mag Raser und Drängler. Aber irgendwie scheint sich das Hirn abzuschalten, wenn man meint, man kann sich verbünden gegen die ‚Abzocker‘ der Polizei. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch. Was sonst könnte jemanden dazu bringen, die Gefährder der Verkehrssicherheit auch noch zu warnen?

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Die hatten alles unter Kontrolle, leider gabs keinen Blitzerwarner

Nun ist es ja nicht so, dass nicht schon erwiesen wäre, dass überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptursachen für Unfälle und Unfälle mit Todesfolge ist. Und dennoch lassen sich Radiosender instrumentalisieren und helfen dabei, dass die Verursacher seltener zur Rechenschaft gezogen werden. Sehr traurig.

 

Wenn es nach mir ginge (mich fragt aber wohl niemand), wäre ich viel radikaler:
Jedes Fahrzeug wäre mit einem Fahrtenschreiber ausgestattet. Sobald das Fahrzeug die angegebene Höchstgeschwindigkeit überschreitet wird das Bußgeld automatisch vom Konto abgebucht (Schäuble spitzt die Ohren …) . Peter und andere Blitzwarner müssten ein Jahr lang mit einem Aufkleber ‚Vollidiot‘ auf der Heckscheibe rumfahren. Radiosender auf der anderen Seite wären verpflichtet, nur Meldungen die tatsächlich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen, zu verbreiten. Radiomoderatoren, die dennoch Blitzerwarnungen verbreiten, würden zu Sozialstunden in Unfallstationen oder beim Notarzt verpflichtet.

Zu schnell fahren ist kein Kavaliersdelikt sondern eine Gefahr und niemand sollte das unterstützen!

Sep 29

Zielvereinbarungen

Was wären die ‚modernen‘ Organisationen mit ihren ‚modernen‘ Management Praktiken ohne das Instrument der Zielvereinbarung? Sehr hilflos, vermute ich. Die ursprüngliche Idee war damals – vor ca. 100 Jahren – so einfach wie auch genial.
Ausgangspunkt ist zunächst die Feststellung, dass der ordinäre Mitarbeiter ohne Zielvorgabe entweder hilf- bzw. orientierungslos oder wenig engagiert seinem Tagwerk nachgeht. Damit der ‚Wurstelei‘ eine Richtung verliehen werden kann, bedarf es der Zielvorgaben. In der Regel werden die durch die Vorgesetzten festgesetzt, damit bekommt auch die Führung einen Zweck.
Im Industriezeitalter war das eine prima Sache, aber wie ist das in einer Zeit, die angeblich durch Wissen, Wissensvorsprung und Dynamik gekennzeichnet ist?
Sketch 2014-09-25 09_Zielvorgabe_mit CR_kleinIn der Ausgangs-situation ging man davon aus, dass der Vorgesetzte den Überblick sowohl über die Aufgaben und Kompetenzen der Mitarbeiter als auch die Situation und aktuellen Erfordernisse – im Sinne der Organisation – hat. Dieser Anspruch ist kaum erfüllbar, weder damals noch heute und mit zunehmendem Grad an Wissensarbeit in Zukunft immer weniger. Ziele, die über den Vorstellungshorizont des Vorgesetzten hinausgehen, sind so kaum denkbar. Oder anders ausgedrückt: die gegebenen Ziele sind durch den geistigen Horizont des Vorgesetzten begrenzt.
Jede Erneuerung oder Innovation wird so zu einem Akt der Unge-horsamkeit. George Bernard Shaw hatte dazu schon 1903 bemerkt: „Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an; der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt sich anzupassen. Deshalb hängt aller Fortschritt vom unvernünftigen Menschen ab.“ (im Drama ‚Mensch und Übermensch‘).

Spinnt man den Gedanken weiter, könnte man mutig schlussfolgern, dass Organisationen, die konsequent über Zielvorgaben gesteuert werden, auf die Beibehaltung des Status-Quo setzen. Alles bleibt beim (messbaren) alten. Erneuerung ist nur insofern vorgesehen, als das es bei der folgenden Zielvorgabe auch als Ziel formuliert werden kann. Fortschritt braucht also einen innovativen Ungehorsam. Lässt den die Organisation nicht zu (oder schränkt den durch Zielvorgaben ein) entsteht das Neue woanders. Aufhalten lässt es sich jedenfalls nur schwer.

Jul 26

Der Zug des Lebens

Die Vorstellung des Lebens als Zugfahrt hat etwas Faszinierendes. Zugegeben, das Leben verläuft nicht immer wie auf Schienen aber dieses Gefühl des ‚in Bewegung seins‘ – das ist es. Und die Mitreisenden im Abteil, dass sind die Leute, die man im Leben trifft. Mit einigen fährt man eine lange Strecke gemeinsam andere steigen schon an der nächsten Haltestelle wieder aus. Im Zug des Lebens sollte man immer darauf achten, dass man sich im richtigen Waggon befindet mit den richtigen Leuten. Ich persönlich unterteile meine Mitreisenden in ‚Sunriser‘ und ‚Sunsetter‘ wobei Letztere dafür stehen, Kraft zu saugen und Erstere dagegen tun gut und geben Kraft. Eigentlich ist es ganz einfach, die Anzahl der mitreisenden, anstrengenden ‚Sunsetter‘ sollte man minimieren und die inspirierenden ‚Sunriser‘ sollte man suchen, und das konsequent. So flirrt das Leben!
Ein sehr eindrucksvoller Film über den ‚Zug des Lebens‘:

Mai 30

Improvisation mit Plan B

2014-05-28 Plan_B readyDer Plan B ist der eigentliche Held in unserem Leben und im Büro. Plan A funktioniert ja meistens nicht – jedenfalls nicht in der Praxis. In der Theorie sah noch alles ganz prächtig und vielversprechend aus. Aber leider hatte man nicht [hier wahlweise hundert verschiedene Gründe einsetzen] beachtet. Mit großer Heimtücke schleichen sich regelmäßig Überraschungen ein. An der Stelle kommt der Plan B ins Spiel, vorausgesetzt man hat einen. Fortgeschrittene haben sogar noch einen Plan C in der Schublade. Jeder weitere Plan fusst auf einer Lernerkenntnis oder einer möglichen Alternative und signalisiert Flexibilität und Anpassungsvermögen. Allein auf Plan A verlassen sich eigentlich nur Dumme und/oder Arrogante.

Mai 20

App-isierung im Alltag

Nun ist es passiert. Ich konnte zum ersten mal beobachten, wie einSketch App-isierunge Frau gegen eine Laterne lief. Welch ein Spaß! Ich schämte mich nicht einmal ob der Schadenfreude, die man mir sicher auch ansah.Ursache der Kollision war offensichtlich das Smartphone bzw. die tunnelblick-artige Vertiefung in eine der Apps (vielleicht teilte man gerade auf Facebook mit, dass man nun den Bahnhof zu Fuß verließ). Vor 170 Jahren war es der Hans-guck-in-die-Luft. Auch als Struwelpeter bekannt machte er sich zum Trottel. Das Prinzip ist heute das gleiche, nur die Ursache ist eine andere.

Ich vermute, in Zukunft wird so etwas öfter passieren: Zombie-Fussgänger laufen auf Grund: im harmlosen Fall einfach vor eine Laterne, weniger harmlose Zwischenfälle sind durchaus auch vorstellbar und der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Die Mahner und Deuter der Republik weisen ja schon seit längerem auf den nicht unbedingt positiven Einfluss der Smartphones auf das Verhalten der Nutzer hin. Die Kommunikation verändere sich dramatisch, durch die App-isierung verlernen die Leute das Reden. Nun, die neuen Befunde rufen sicher schon die ersten Parlamentarier auf den Plan: Gesetze müssen her, Schutz der Fußgänger vor sich selber – am besten per Helm. Die Technik-Lobby sieht dem sicher gelassen entgegen: eine neue App könnte helfen. Sie warnt den Nutzer dann vor Kollisionen. Tja, das ist der Zeitgeist, immer weniger Zeit und immer weniger Geist.

 

Apr 08

Die Garage

Man kann nur spekulieren, warum die Garage erfunden wurden. Ich vermute es geschah in Analogie zum Stall für Pferde – Besitzer wollten in beiden Fällen dem Fortbewegungsmittel Schutz und Geborgenheit zukommen lassen.
Im Laufe der Jahre hat sich die Sache mit der Garage jedoch irgendwie verselbstständigt und heute stehen wir vor einer schier unüberschaubaren Vielfalt an Garagentypen. Seit Darwins Bemühungen um die Klassifizierung der Lebewesen wissen wir um die erhellende Sinnhaftigkeit solch strukturgebender Versuche und nicht selten ergeben sich ganz neue Erkenntnisse (‚die Garage stammt vom Stall ab …‘).
Baulich-architektonisch gibt es jedoch nicht viel her (Tiefgarage, Faltgarage, ‚normale‘ Garage freistehend, Einliegergarage, Doppelparker, Dreifachparker etc.) bzw ist schnell erschöpfend behandelt. Viel spannender erscheint die Unterscheidung nach der Art der Nutzung (bei dem Gedanken kommt mir plötzlich in den Sinn, ob wohl die Römer auch schon ihre Kampfwagen in Garagen geparkt haben? – „Brutus, fahr mal den Wagen vor“?!)
Ganz grob kann man wohl drei Garagennutzungskalküle differenzieren:

1. Da ist die schnöde Abstellmöglichkeit für das Gefährt des Individual-Verkehrsteilnehmers. Da das Auto IMG Garage_1heute kaum noch als Statussymbol taugt, wird der Bohei um das einstige Kultobjekt etwas abflauen und damit dann auch der Gedanke das heilige Gefährt schützen zu müssen. Inzwischen ist der gesicherte Parkplatz – gerade in Ballungsgebieten mit chronisch knappen Parkraumangebot – viel bedeutender (und man braucht vor dem einsteigen das KFZ nicht erst im ganzen Viertel suchen).

 

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