Die Garage

Man kann nur spekulieren, warum die Garage erfunden wurden. Ich vermute es geschah in Analogie zum Stall für Pferde – Besitzer wollten in beiden Fällen dem Fortbewegungsmittel Schutz und Geborgenheit zukommen lassen.
Im Laufe der Jahre hat sich die Sache mit der Garage jedoch irgendwie verselbstständigt und heute stehen wir vor einer schier unüberschaubaren Vielfalt an Garagentypen. Seit Darwins Bemühungen um die Klassifizierung der Lebewesen wissen wir um die erhellende Sinnhaftigkeit solch strukturgebender Versuche und nicht selten ergeben sich ganz neue Erkenntnisse (‚die Garage stammt vom Stall ab …‘).
Baulich-architektonisch gibt es jedoch nicht viel her (Tiefgarage, Faltgarage, ‚normale‘ Garage freistehend, Einliegergarage, Doppelparker, Dreifachparker etc.) bzw ist schnell erschöpfend behandelt. Viel spannender erscheint die Unterscheidung nach der Art der Nutzung (bei dem Gedanken kommt mir plötzlich in den Sinn, ob wohl die Römer auch schon ihre Kampfwagen in Garagen geparkt haben? – „Brutus, fahr mal den Wagen vor“?!)
Ganz grob kann man wohl drei Garagennutzungskalküle differenzieren:

1. Da ist die schnöde Abstellmöglichkeit für das Gefährt des Individual-Verkehrsteilnehmers. Da das Auto IMG Garage_1heute kaum noch als Statussymbol taugt, wird der Bohei um das einstige Kultobjekt etwas abflauen und damit dann auch der Gedanke das heilige Gefährt schützen zu müssen. Inzwischen ist der gesicherte Parkplatz – gerade in Ballungsgebieten mit chronisch knappen Parkraumangebot – viel bedeutender (und man braucht vor dem einsteigen das KFZ nicht erst im ganzen Viertel suchen).

 

2. Die gutbürgerliche Familie wohnt im Reihenhaus – und die besserbürgerliche auch schon mal im Einfamilienhaus.IMG Garage_2 Die Garage ist fester Bestandteil der Konstruktion. Man kann nun beobachten, dass die Garage lediglich zum Bezug (wenn überhaupt) als Unterstellmöglichkeit dient. Sobald die Umzugskartons ausgepackt sind, erweist sich die Garage als praktische Abstellmöglichkeit. Sie wächst langsam zu. Schlendert man durch den typisch deutschen Vorort, kann man das Phänomen massenweise bewundern. Das Auto steht DAVOR und die Garage ist zugekrempelt: Fahrräder, Bierfässer, Surfbretter, Kinderwagen 1, Kinderwagen 2, Hüpfburgen, lustig-bunte Mülltrennbehälter, Ski, Winterräder etc. (es wurden auch schon Bierzelte aus Vorortgaragen geflext). Der Nutzen der Garage liegt im zweiten Fall im vergrößerten (Achtung Lieblingswort!) Stauraum.

3. In der dritten Situation wird die Garage auch zweckentfremdet und zwar zum basteln und frickeln. IMG Garage_3Auch hier steht das Auto DAVOR. Der freiwerdende Platz bildet ein geschützten Raum – quasi ein Biotop für vielfältige Neuerungen. Das spannende an diesem Konstrukt ist die einmalige Abgeschlossenheit. Hier herrscht Freiheit gedankliche wie auch praktische, niemand muss sich rechtfertigen für Zeit und Budget (ok, fast niemand) und hier regiert die Leidenschaft. Natürlich kennt jeder die berühmten Garagen von HP und Apple. Das Modell erscheint erfolgsversprechend.

Was mich wundert ist, dass große Unternehmen diese Garagenkultur nicht versuchen zu kultivieren. Da wird so viel über Innovationen schwadroniert und wenn er konkret wird, streitet man sich lieber über die Sonderparkplätze für die Vorstandskarossen. Ich würde zahlreiche ‚Unternehmensgaragen‘ (Typ 3) einführen und den Spirit unterstützen. Die Bürokraten werden zwar sicher zahlreiche Gründe finden, warum das nicht funktionieren kann (Wer ist verantwortlich?, Wer zahlt das?, Wo kommt die Einrichtung her? Etc) Hat man tatsächlich den Wunsch innovativ zu sein, dann findet man auch Mittel und Wege, wie man das löst. Jede Firma ist genau so innovativ, wie es die Bürokratie zulässt. Brauchen sie noch Ideen? Fragen Sie mich.

3 thoughts on “Die Garage

  1. Hahaha, der Artikel und deine Zeichnungen gefallen mir, lieber Ulf!

    Ich habe in einer Garage gegründet (Typ 3) und bin von der Garagenkultur sehr überzeugt. Zum Glück habe ich keine Garage des Typs 2, denn die wäre sofort zugekrempelt (Achtung: neues Lieblingswort!)

    Eine Garage des Typs 1 wäre wünschenswert, aber sie würde unmittelbar zu Typ 2 mutieren – also lieber doch nicht. ;o)

    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Sabine

  2. Hi Sabine!
    Garagen sind zum Gründen da, jawoll. Schön, dass du das auch so siehst. Und ich hoffe, die Hunde helfen dabei. Die Fotos auf FB sind klasse!
    Liebe Grüße aus München, Ulf

  3. Lieber Ulf,
    also wirklich, da legst du mal eben einem Evolutionsbericht über das Garagenphänomen hin und ganz nebenbei … führst du das postmoderne Exemplar des Monsignore vor. Vielleicht gibt es ja bald Existenzerlaubnisscheine für Bürokraten von Innovativen? Hi, hi. Aus reiner Menschenliebe.
    Sonnige Maigrüße aus Berlin
    von Brigitte

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