Das Wasserhahn-Dilemma

Es ist ein Wahnsinn. Händewaschen ist ja eine Routinetätigkeit. Nach der Benutzung der Toilette oder überhaupt einfach mal so – Händewaschen kann man immer mal. Schadet nicht – im Gegenteil, jetzt zu Zeiten der Schweinegrippe soll es ja Wunder wirken.
Auffällig ist, dass in den letzten Jahren die Vielfalt bei den Wasserhähnen quasi explodiert ist. Was früher einfach war – Hahn aufdrehen, Hände einseifen, abspülen und Hahn zudrehen – kann heute schnell zur Tortur werden. Vereinzelt gibt es noch die traditionellen Wasserhähne zum drehen. Einhebelmischer sind inzwischen auch weit verbreitet. Hebel für kalt und warm getrennt gibt es zusätzlich noch. Der Vielfalt sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ich stand schon an einem Waschbecken mit eingeseiften Händen und habe vergeblich versucht, den Wasserhahn zu öffnen. Besonders absurd sind die Wasserhähne mit Bewegungssensor. Ich erlebe es kaum auf öffentlichen Toiletten, dass diese auf Anhieb funktionieren. Häufig sieht man jedoch Anwender, die mit ihren Händen im Becken rumfuchteln und versuchen, irgendwie das Wasser zum laufen zu bringen. Ziemlich absurd wie ich finde. Mir ist bis jetzt noch kein vernünftiger Grund eingefallen, warum ein Wasserhahn bewegungslos funktionieren sollte. Möglich wäre, dass Betreiber verhindern wollen, dass vergessen wird den Wasserhahn vollständig – nach der Benutzung – zuzudrehen. Das ist in der Tat ärgerlich und falls das der Grund sein sollte, würde ich in jedem Fall die Version vorziehen, bei der mechanisch die Laufzeit zeitlich begrenzt ist. Ärgerlich ist es in jedem Fall. Ich mag ja prinzipiell den technischen Fortschritt. Furchtbar finde ich jedoch, wenn Neuerungen nicht zuverlässig funktionieren bzw. unzuverlässiger sind als zuvor. Innovationen sollten nie einfache Sachen verkomplizieren, was jedoch viel zu oft passiert. Der berührungslose Wasserhahn ist eine Pseudo-Innovation. Seitdem es sie gibt, lerne ich die normalen Wasserhähne zu lieben. Eine andere Geschichte ist es, die Hände wieder trocken zu bekommen. Man ahnt es, es ist nicht mehr so einfach wie früher. Das wäre aber schon fast die nächste Kolumne.

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