Apr 08

Die Garage

Man kann nur spekulieren, warum die Garage erfunden wurden. Ich vermute es geschah in Analogie zum Stall für Pferde – Besitzer wollten in beiden Fällen dem Fortbewegungsmittel Schutz und Geborgenheit zukommen lassen.
Im Laufe der Jahre hat sich die Sache mit der Garage jedoch irgendwie verselbstständigt und heute stehen wir vor einer schier unüberschaubaren Vielfalt an Garagentypen. Seit Darwins Bemühungen um die Klassifizierung der Lebewesen wissen wir um die erhellende Sinnhaftigkeit solch strukturgebender Versuche und nicht selten ergeben sich ganz neue Erkenntnisse (‚die Garage stammt vom Stall ab …‘).
Baulich-architektonisch gibt es jedoch nicht viel her (Tiefgarage, Faltgarage, ‚normale‘ Garage freistehend, Einliegergarage, Doppelparker, Dreifachparker etc.) bzw ist schnell erschöpfend behandelt. Viel spannender erscheint die Unterscheidung nach der Art der Nutzung (bei dem Gedanken kommt mir plötzlich in den Sinn, ob wohl die Römer auch schon ihre Kampfwagen in Garagen geparkt haben? – „Brutus, fahr mal den Wagen vor“?!)
Ganz grob kann man wohl drei Garagennutzungskalküle differenzieren:

1. Da ist die schnöde Abstellmöglichkeit für das Gefährt des Individual-Verkehrsteilnehmers. Da das Auto IMG Garage_1heute kaum noch als Statussymbol taugt, wird der Bohei um das einstige Kultobjekt etwas abflauen und damit dann auch der Gedanke das heilige Gefährt schützen zu müssen. Inzwischen ist der gesicherte Parkplatz – gerade in Ballungsgebieten mit chronisch knappen Parkraumangebot – viel bedeutender (und man braucht vor dem einsteigen das KFZ nicht erst im ganzen Viertel suchen).

 

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Aug 25

Neuerscheinung: ‚Die Weisheit der Roulettekugel‘

Neuerscheinung
Neuerscheinung: In den nächsten Tagen wird das neue Buch im Buchhandel erscheinen. Worum geht es? Über Innovationen, klar. Warum tun sich große Unternehmen so schwer damit, Innovationen – insbesondere radikale Innovationen – hervorzubringen? Das Bild oben zeigt die Situation im (sehr vereinfachten) Überblick. Die meisten operieren in der Comfort-Zone vor sich hin und tun alles, um auch ja dort zu bleiben. In den Organisationen haben es viel zu viele Thomas Middelhoffs und zu wenige Steve Jobs. Dadurch bleibt es immer schön so wie es ist. Das ist fatal, man sollte diese Zone der Bequemlichkeit ab und zu verlassen. Warum genau und wie das am besten geht, wird im Buch beschrieben.
Es ist ein tolles Gefühl, nach über drei Jahren der Erarbeitung endlich das erste Buch in den Händen halten zu können. In den nächsten Tagen kommt es dann sicher in den Buchhandel und man kann es dann z.B. hier bestellen:

Zur Neuerscheinung gibt es auch ein Video. Es zeigt Hintergründe und stellt die Effekte vor. Beispielsweise den Pionier-Effekt, er ist die Möglichkeit, das Unternehmen Richtung Neuland zu steuern.

Mehr zum Thema Innovation-Roulette und zur Neuerscheinung findet man hier.

Aug 15

Big-Bang Disruptions

Trotz vieler gegenteiliger Beteuerungen kann man sicher von der Mehrzahl der Unternehmen behaupten sie seien innovationsfaul. Risiken werden soweit es geht vermieden und statt Ressourcen für Innovationen zu binden werden viel lieber bereits existierende Verfahren und Produkte optimiert. Der eigentliche Trugschluss besteht jedoch darin, dass man annimmt, andere Unternehmen sind genauso innovationsträge oder sogar noch träger. Ein Artikel Harvard Business Review kommt zu dem Schluss, dass die Innovationsdynamik nun zunehmend außerhalb des eigenen Unternehmens entsteht und das in einer ziemlich rasanten Art und Weise. Bewährte Geschäftsmodelle können quasi über Nacht veralten. Für große Unternehmen bedeutet das nichts Gutes. Neue Geschäftsmodelle werden hier maximal im Takt der Geschäftsjahre verändert und wenn, dann ganz vorsichtig. Eine höhere Taktfrequenz – ermöglicht durch das kreative Potential in Verbindung mit dem Internet – führt rasch zur Überforderung. Die Autoren – Larry Downes und Paul F. Nunes zeigen an vielen Beispielen wie ungeschickt die etablierten Unternehmen auf neue Innovationsimpulse reagieren. „The innovators who create products at “hackathons” aren’t even trying to disrupt your business. You’re just the collateral damage.“ Die Impulse entstehen oft fast zufällig aber mit einer ungeheuren Geschwindigkeit und enormen Veränderungspotential (Big-Bang). Ganz überraschend entsteht ein neuer Wettbewerber. Kosteneinsparungen und Entlassungen sind die üblichen Antworten der Platzhirsche, obwohl Innovationsoffensiven gefordert wären. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, als das mit zunehmender Reife des Unternehmens die Anzahl der strategischen und taktischen Optionen abnimmt. Früher oder später kämpfen sie ums Überleben. Wie Deming schon formulierte: es gibt keine Garantie für das Überleben von Unternehmen. Einmal mehr wird deutlich, nicht zu innovieren ist keine Option mehr, Innovationsfaulheit wird bestraft.

Ein sehr spannender Artikel, zum Lesen sehr zu empfehlen!

Jan 08

Verlernen zu innovieren

In einem Buch (Millier: Auf dem Prüfstand, 2008, S.24) habe ich von einer Untersuchung zur Innovationstätigkeit erfahren. Das Buch ist recht gut, vielleicht etwas verworren geschrieben, aber die Untersuchung hat mich fast umgehauen.
Es geht um Folgendes: Die Umsätze der Unternehmen des CAC40 – das französische Pendant zum DAX – sind im Zeitraum von 1995 bis 2003 um 10 Prozent pro Jahr gestiegen. Sie legten von €419 Mrd auf €910 Mrd zu. Das ist beachtlich! Die Überraschung kommt aber, wenn man sich genauer anschaut, wie sich dieses Wachstum zusammensetzt. 57 Prozent sind ‚erkauft‘, also durch Fusionen und Akqisitionen in die Bilanz gerutscht (5,4 % jährlich). Weitere 29,5 prozent sind durch internationale Expansion zu erklären, das sind 3,1% pro Jahr. 12 Prozent sind auf Preiserhöhungen zurück zu führen, was jährlich zu 1, 4 % beiträgt. Nun bleiben genau 1,5 Prozent übrig, was einer jährlichen Rate von 0,2 % entspricht. Das entspricht dem organischen Wachstum, also der Erneuerungstätigkeit und Innovationstätigkeit der großen Firmen. Das ist ein Schock! Continue reading

Okt 08

Das Wasserhahn-Dilemma

Es ist ein Wahnsinn. Händewaschen ist ja eine Routinetätigkeit. Nach der Benutzung der Toilette oder überhaupt einfach mal so – Händewaschen kann man immer mal. Schadet nicht – im Gegenteil, jetzt zu Zeiten der Schweinegrippe soll es ja Wunder wirken.
Auffällig ist, dass in den letzten Jahren die Vielfalt bei den Wasserhähnen quasi explodiert ist. Was früher einfach war – Hahn aufdrehen, Hände einseifen, abspülen und Hahn zudrehen – kann heute schnell zur Tortur werden. Vereinzelt gibt es noch die traditionellen Wasserhähne zum drehen. Einhebelmischer sind inzwischen auch weit verbreitet. Hebel für kalt und warm getrennt gibt es zusätzlich noch. Der Vielfalt sind quasi keine Grenzen gesetzt. Ich stand schon an einem Waschbecken mit eingeseiften Händen und habe vergeblich versucht, den Wasserhahn zu öffnen. Besonders absurd sind die Wasserhähne mit Bewegungssensor. Ich erlebe es kaum auf öffentlichen Toiletten, dass diese auf Anhieb funktionieren. Häufig sieht man jedoch Anwender, die mit ihren Händen im Becken rumfuchteln und versuchen, irgendwie das Wasser zum laufen zu bringen. Ziemlich absurd wie ich finde. Mir ist bis jetzt noch kein vernünftiger Grund eingefallen, warum ein Wasserhahn bewegungslos funktionieren sollte. Möglich wäre, dass Betreiber verhindern wollen, dass vergessen wird den Wasserhahn vollständig – nach der Benutzung – zuzudrehen. Das ist in der Tat ärgerlich und falls das der Grund sein sollte, würde ich in jedem Fall die Version vorziehen, bei der mechanisch die Laufzeit zeitlich begrenzt ist. Ärgerlich ist es in jedem Fall. Ich mag ja prinzipiell den technischen Fortschritt. Furchtbar finde ich jedoch, wenn Neuerungen nicht zuverlässig funktionieren bzw. unzuverlässiger sind als zuvor. Innovationen sollten nie einfache Sachen verkomplizieren, was jedoch viel zu oft passiert. Der berührungslose Wasserhahn ist eine Pseudo-Innovation. Seitdem es sie gibt, lerne ich die normalen Wasserhähne zu lieben. Eine andere Geschichte ist es, die Hände wieder trocken zu bekommen. Man ahnt es, es ist nicht mehr so einfach wie früher. Das wäre aber schon fast die nächste Kolumne.