Google greift sein bestes Produkt an

29. Oktober 2026 · Prof. Dr. Ulf Pillkahn

Google hatte gestern den schlechtesten Börsentag seit 2004: 482 Milliarden Dollar Börsenwert weg. Bestraft wurde ein Konzern für das, was aus der Perspektive des Innovationsmanagements von ihm verlangt wird.

Die Quartalszahlen zeigen keinen schwachen Konzern, sondern einen Umbau. Das operative Ergebnis stieg um 30 Prozent. Die Suche wächst bei den Anfragen so stark wie seit fünf Jahren nicht, beim Umsatz kaum noch, weil Antworten im KI-Modus weniger Werbegeld bringen; das hat Google selbst eingeräumt. Erstmals stammt weniger als die Hälfte des Umsatzes aus der Suche. Die Cloud hat sich verdoppelt, die eigenen KI-Chips gehen an Dritte, und in drei Monaten flossen 51 Milliarden Dollar in Rechenzentren, mehr als das Geschäft an Cash erzeugte.

Google verkauft zunehmend nicht Aufmerksamkeit, sondern Rechenleistung. Und greift dafür sein profitabelstes Produkt selbst an. Genau das tun etablierte Unternehmen nach Christensen in der Regel nicht. Chandy und Tellis haben 1998 gezeigt, dass die Bereitschaft zur Selbstkannibalisierung radikale Innovation besser erklärt als die Unternehmensgröße.

Gestern war zu sehen, warum diese Bereitschaft so selten ist: Die Kosten stehen im nächsten Quartalsbericht, der Nutzen in einem Szenario. „Verschiebung des Geschäftsmodells" oder „Investition in die Zukunft" ist deshalb keine Alternative. Es ist dieselbe Entscheidung, aus zwei Zeithorizonten betrachtet. Die Börse hat den kurzen gewählt. Das ist ihr Job, kein Irrtum.

Google beweist damit, dass es anders agiert als z.B. Kodak oder Nokia. Der Absturz ist insofern kaum nachzuvollziehen.

Ob die neue Rechnung aufgeht, ist offen. Wie viel weniger eine KI-Antwort einbringt, hat Google nicht beziffert, und die Server von heute müssen sich in etwa sechs Jahren verdient haben.

Für das eigene Unternehmen lässt sich die Frage ohne Börsenkurs stellen: Welches Produkt würden wir selbst angreifen, bevor es ein anderer tut, und wie viele schlechte Quartale hielten wir dafür aus?

Diese Frage für Ihr Unternehmen durchspielen? Im Strategie-Windkanal testen wir, welches Produkt Sie selbst angreifen sollten und was das kostet.

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Erschienen zuerst auf LinkedIn.

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