Apr 28

Kreativität lernen – verlernen?

 

Foto[1]Kreativität ist etwas Faszinierendes. Ein schlauer Mann hat mal gesagt (mir fällt gerade nicht ein, wer es war. Ich liefere es nach …), dass Kreativität die Erschaffung von Etwas aus Nichts ermöglicht. Kinder sind alle kreativ, sie fragen nicht, sondern probieren viel aus. Sie lernen die Welt kennen. Die Erfahrungen machen uns müde. Sie verleiten uns dazu, Dinge nicht mehr zu hinterfragen. Organisationen, insbesondere die großen Organisationen sind wahre Meister darin, Kreativität mit allen möglichen Mitteln zu unterdrücken. Prozesse sind wichtig, sie fördern die Effizienz – heisst es. Kreativität stört da nur. Selbst für Innovationen wird die Notwendigkeit von Kreativität vielfach angezweifelt. In Unternehmen wird hart gearbeitet (was auch immer), alles was verdächtig nach Spass oder Freude aussieht, gilt es zu vermeiden. Man könnte mal das Experiment machen und in der Organisaitone vorschlagen, sich an der Kreativität der Kinder zu orientieren. Man würde wahrscheinlich recht schnell ein ernsthaftes Problem bekommen.
Leider bemerkt man in Organisationen erst die fehlende Innovationsfähigkeit bzw. Kreativität, wenn es zu spät ist. Also wenn der Markt schwächelt oder Wettbewerber mal radikal umdenken. Dann wird schnell eine bessere Innovationskultur angemahnt.
Aber man könnte von vornherein einfach mehr Kreativität zulassen und diese nicht mit allen Mitteln verhindern. Eins ist klar, die Kreativen sind anstrengend, die lassen sich auch nicht so einfach steuern, sie sind auch kreativ, wenn vielleicht Konzentration gefragt ist. Gesunde Organisationen halten das aus und so klappt es auch mit der Innovationskultur!

Mrz 25

Wie man immer Neukunde bleibt

Nicht der Kunde ist König, sondern ‚Der Neukunde ist König‚. So müsste es neuerdings heißen.

Schon immer war es wohl so, dass Unternehmen ihre Kunden irgendwie in ‚Bestandskunden‘ und ‚Neukunden‘ einteilten. Nun scheint diese Praktik einer Entwicklung zu weichen, die man durchaus als überhitzt bezeichnen kann. Denn was mal harmlos begann – Neukunden bekamen eine kleine Aufmerksamkeit zum neuen Vertrag, entwickelt sich zu einem wahren Wettkampf. Viele Märkte sind gesättigt, Wachstum ist nur über Verdrängung möglich. Das bedeutet: Abwerbung. Das bedeutet aber auch, jeder Bestandskunde ist für andere Firmen potentieller Neukunde.
Man kann nun beobachten, dass sich viele Firmen vor allem auf die Gewinnung von Neukunden konzentrieren, Vertrieb und Marketing sehen das als eine ihrer Hauptaufgaben. Für Bestandskunden fühlt sich traditionell kaum jemand verantwortlich. ‚Customer Service‘ wäre geeignet, in der Regel treten die jedoch nur noch bei Problemen bzw. nur bei massiven Problemen (bei kleineren Problemen gilt immer öfter: ‚help yourself‘).

Nun ist es ja so, dass Kunden auch dazu lernen. In dem Fall z.B.: als Neukunde bekommt man den besten Service, als Bestandskunde ist man in der Regel Bittsteller. Das führt dazu, dass man eigentlich immer Neukunde bleiben möchte. Wie geht das? Nun, sobald ein neuer Vertrag abgeschlossen ist, sollte man sofort kündigen, SOFORT!

Viele Unternehmen wollen ihre Kunden ja erziehen – man denke nur an die Entwicklung zur Selbstbedienung (und nun auch Selbstbezahlung z.B. bei IKEA) Die Kunden lernen jedoch auch dazu. Und als Bestandskunde steigt nicht unbedingt die Zufriedenheit, wenn man zwar mit dem Service zufrieden ist, jedoch erkennen muss, dass man als Kunde 2.Klasse behandelt wird

Und so kann man als Kunde auch seinen Lieferanten oder Serviceanbieter erziehen, zumindest ein stückweit. Diese sind zwar irritiert, aber vielleicht bewirkt es ja etwas.

Mrz 05

Die Blitzerwarner

„Vollidiot auf der A94! Mit überhöhter Geschwindigkeit fährt auf der linken Fahrspur der Bundesautobahn A94 ein PKW in Richtung Osten. Der Drängler versucht mit Lichthupe und blinken vorausfahrende Autos zum verlassen der Fahrspur zu bewegen. Die Polizei ist verständigt“
So eine Meldung wünschte ich mir mal von den Radiosendern. Stattdessen biedern sich die Rundfunkstationen in einer erbärmlichen Art und Weise an:
„Peter hat einen Blitzer gemeldet. Aus einem weissen Caddy in der Landshuter Allee stadtauswärts wird fotografiert.“ Eigentlich höre ich gerne und oft Radio, aber wenn solche Meldungen kommen, frage ich mich dann. ‚Was für ein Idiot ist wohl Peter?‘ Und welche Art von Service wird hier auch mit öffentlichen Geldern gefördert? Unfassbar!
Niemand mag Raser und Drängler. Aber irgendwie scheint sich das Hirn abzuschalten, wenn man meint, man kann sich verbünden gegen die ‚Abzocker‘ der Polizei. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch. Was sonst könnte jemanden dazu bringen, die Gefährder der Verkehrssicherheit auch noch zu warnen?

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Die hatten alles unter Kontrolle, leider gabs keinen Blitzerwarner

Nun ist es ja nicht so, dass nicht schon erwiesen wäre, dass überhöhte Geschwindigkeit eine der Hauptursachen für Unfälle und Unfälle mit Todesfolge ist. Und dennoch lassen sich Radiosender instrumentalisieren und helfen dabei, dass die Verursacher seltener zur Rechenschaft gezogen werden. Sehr traurig.

 

Wenn es nach mir ginge (mich fragt aber wohl niemand), wäre ich viel radikaler:
Jedes Fahrzeug wäre mit einem Fahrtenschreiber ausgestattet. Sobald das Fahrzeug die angegebene Höchstgeschwindigkeit überschreitet wird das Bußgeld automatisch vom Konto abgebucht (Schäuble spitzt die Ohren …) . Peter und andere Blitzwarner müssten ein Jahr lang mit einem Aufkleber ‚Vollidiot‘ auf der Heckscheibe rumfahren. Radiosender auf der anderen Seite wären verpflichtet, nur Meldungen die tatsächlich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen, zu verbreiten. Radiomoderatoren, die dennoch Blitzerwarnungen verbreiten, würden zu Sozialstunden in Unfallstationen oder beim Notarzt verpflichtet.

Zu schnell fahren ist kein Kavaliersdelikt sondern eine Gefahr und niemand sollte das unterstützen!

Feb 24

Mein wunderbarer Arbeitsplatz

Irgendwas läuft schief mit den traditionellen Organisationsformen – und dem Arbeitsplatz. Immer öfter verhindern Hierarchien eine Weiterentwicklung. Ich denke, neben technischen Innovationen liegt hier die größte Herausforderung für die Zukunft der Unternehmer. Arte hat zu dem Thema eine richtig gute und spannende Dokumentation zusammengestellt:
„Um Mitarbeitern die Freude an der Arbeit zurückzugeben, experimentieren manche Unternehmen nun mit innovativen Konzepten. Zu diesen Vorreitern gehören etwa das belgische Sozialministerium, der indische Großkonzern HCL und die französische Firma Chronoflex. Die Mitarbeiter genießen dort vollkommene Entscheidungsfreiheit bei der Organisation ihrer Arbeit.
Mein wunderbarer Arbeitsplatz – Traum oder Wirklichkeit? Die Dokumentation begleitet Arbeitnehmer aus mehreren Wirtschaftszweigen und zeigt innovative Lösungen auf, mit denen das Vertrauen der Angestellten, Freiheit und Kreativität wieder Einzug in die Arbeitswelt finden. Die Geschichten sind alle unterschiedlich, aber stets positiv und ermutigend.
Fast überall liegen die Schlüssel zum Erfolg in einer grundlegenden Neuorganisation des Unternehmens: Auflösung hierarchischer Pyramidenstrukturen, Gleichbehandlung aller Mitarbeiter, Abschaffung von Kontrollen und Chefposten, umfassender Informationsaustausch. Von der besseren Atmosphäre am Arbeitsplatz profitieren alle. Hoffentlich finden diese Ideen bald weiteren Anklang.“

Besonders interessant sind die Ausführungen über Kontrolle, Bürokratie und unproduktive Manager und 30-40% Parasiten im System, im Film ab ca. 33 min.
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Feb 05

Die (Vorzeige-) Bürokraten

Niemand mag Bürokraten. Und nur noch wenige mögen die FDP. Zuviel Lobby- und Klientelhuberei wird hier als Parteiarbeit bezeichnet. Was aber der Parteivorsitzende Christian Lindner in seiner Wutrede da vorgetragen hat, finde ich sensationell. Zur Erinnerung:

FDP-Fraktionsvorsitzender Christian Lindner hält im Düsseldorfer Landtag eine Rede. Zuvor hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, SPD über den Rückstand der digitalen Entwicklung des Landes und Unternehmergeist fabuliert.
Soweit nichts ungewöhnliches und auch Lindners Rede wäre sicher im politischen Tagesgeschehen untergegangen, wenn nicht …
Ja, wenn nicht in Minute 21, nach Ausführungen zum Stellenwert von Unternehmensgründungen und Gründergeist, sich Volker Münchow (SPD) mit einem hämischen Zwischenruf „da haben Sie ja Erfahrung“ einmischt. Hämisch, weil eine Internetfirma von Christian Lindner 2001 gescheitert ist.

Was Lindner dann daraus macht ist genial: Unter anderem … „Wenn man Erfolg hat, gerät man in das Visier der sozialdemokratischen Umverteiler und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher“. Besonders pikant: Kraft hatte zuvor eben noch darauf verwiesen, dass gescheiterte Gründer zu oft ein Leben lang mit dieser ‚Pleite‘ konfrontiert, ja stigmatisiert werden. Offenbar ist ihr Wunsch, das zu ändern, um die Gründungskultur zu verbessern, in den eigenen Reihen noch nicht angekommen. Und die SPD outet sich einmal mehr als reine Umverteilungspartei. Auch das Bürokratiemonster von Fr. Nahles geht in die Richtung (Mindestlohn ist gut und richtig, aber die dahinter liegende Bürokratie lähmt und blockiert jedes Unternehmen). Insofern erscheint die FDP sogar sympathisch, vor allem da der Auftritt von Lindner authentisch daher kam, nicht so poliert und geschliffen, wie viel zu oft im Politzirkus.

Und natürlich ist das Verhalten der Bürokraten auf den Hinterbänken der Parlamente, die sich dann und wann aus der Deckung wagen, eins zu eins übertragbar auf Unternehmen. Auch da wird vom Top-Management eine offene Innovationskultur angemahnt. In der gelebten Praxis werden dann jedoch die aalglatten Karrieretypen gefördert. Diejenigen, die niemals Fehler gemacht haben (oder sie geschickt anderen untergejubelt haben), die nie angeeckt sind, die aber auch niemals mit einer Idee oder einer Innovation aufgefallen wären, genau die klettern dann die Karriereleiter hinauf.

Wenn Lindner sagt: „Es sind meistens solche Sozialdemokraten, die das ganze Leben im Staat gearbeitet oder vom Staat selbst gelebt haben, die anderen unternehmerisches Engagement vorwerfen.“ so kann man auch das direkt auf Organisationen übertragen. Hier sind es die Manager, die abgesichert durch die Hierarchie, großspurig Unternehmertum und Engagement einfordern (Joe Kaeser: Jeder sollte so handeln wie ein Unternehmer) aber dann doch am eigenen Widerspruch, an den Bürokraten und der Kontrollsucht scheitern, die jegliche Eigeninitiative im Keim erstickt.

Ein heuchlerisches, ein verlogenes Spiel – in der Politik genauso wie in den Unternehmen!

Jan 28

Ach, Siemens …

Die Quartalszahlen sind enttäuschend, wieder einmal. Und dann kommt Apple um die Ecke und präsentiert die Ergebnisse des letzten Quartals – und die lassen den Siemens-Gewinn besonders mickrig erscheinen. Ein neuer Rekord auf der einen Seite, 18 Mrd Dollar Gewinn in 3 Monaten (noch nie hat ein Unternehmen in einem Quartal mehr verdient als Apple im letzten Berichtsmonat) und ein Rückgang auf rund 1,1 Mrd Euro Gewinn auf der anderen Seite (ein Einbruch von etwa 25 Prozent, Rückgang Umsatz, Rückgang Auftragseingang usw.).Immer wieder beschäftigt mich der Unterschied zwischen Siemens (Houston, wir haben ein Problem) und Apple und ich habe natürlich eine Reihe von Erklärungsversuchen. 300px-Apple_logo_Think_Different_vectorized.svg

Zunächst einmal fällt auf, dass Apple selten Firmen aus strategischen Gründen kauft (Die Kopfhörerfirma Beats – für 3 Mrd Dollar – ist wohl die Ausnahme). Siemens versucht jedoch in der Regel über Käufe / Verkäufe die Wettbewerbsposition zu stärken. Auffällig hier ist das recht glücklose agieren. Der Kauf von Dresser-Rand für knapp 8 Mrd Dollar erscheint besonders fraglich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass im Gegenzug profitable Geschäfte verkauft wurden (BSH, Hörgerätesparte). Der Ölpreis fällt und Siemens kommt – wie so oft – wieder einmal einen Schritt zu spät.

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Das organische Wachstum von Apple hingegen ist beeindruckend: eigene Ideen, eigene Innovationen, neue Produkte. Sicher geht noch vieles davon auf Jobs und seine Visionen zurück. Die Vision, die Hr. Kaeser für Siemens verkündet wirkt da wie aus einer anderen Zeit:

„Wir werden Siemens auf die nächste Generation der Elektrifizierung vorbereiten.“

Die Planwirtschaft lässt grüßen. Da fällt mir sofort Lenin ein, der vor rund hundert Jahren formulierte:

„Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.“

Na dann, bis dahin bastelt Hr.Kaeser weiter an der ‚One-Man-Show‘ – so ein Einwand auf der Hauptversammlung (passend dazu ein aktueller Beitrag bei Spiegel-Online: „In Konzernen machen sich Ego-Typen breit„.) Vielleicht ist Steve Jobs sogar das große Vorbild, aber der hatte eben große Ideen. Und Siemens? Ist wegen einer Idee schon länger nicht aufgefallen. Dafür ist die teuerste Übernahme in der 168 jährigen Siemens-Geschichte wohl ein Desaster und man wundert sich, warum ein gutes Geschäft (BSH) abgegeben wurde und dafür ein schlechtes Geschäft (D-R) gekauft wurde.

Ergänzung Mai 2015:

Die Geschichte, welche in der Zeitschrift Bilanz-Magazin erzählt wird, liefert spannende Details ( ‚Der Mann, der Josef Käser über den Tisch zog‘, Bilanz Mai 2015, S.26)

Bildquellen: Wikipedia

Jan 22

Das Butterbrot

Eine Scheibe frisches Brot – z.B. das 1331 von der Hofpfisterei – mit guter Butter bestrichen und mit etwas Salz bestreut (oder wahlweise auch kleingeschnittener Knoblauch) – ist ein Hochgenuss und man fragt sich ‚Was gibt es Schöneres?‘ Ein herzhafter Biss in den festen Rand und das zarte Innere verschmilzt mit der Butter zu einer unbeschreiblichen Köstlichkeit – purer, reiner Köstlichkeit. Das Faszinierende daran ist, es muss genau so sein und aus welchem Grund auch immer, man wird nicht überdrüssig! In der Kontinuität liegt das Gemeimnis. Bei aller Hektik des Alltages und der permanenten Veränderung – BESSER, SCHNELLER, EFFIZIENTER usw. geht das Beständige schnell unter. Ein Vergleich mit den von Lebensmittelchemikern ‚verbesserten‘ Brotsorten aus dem Supermarkt verdeutlicht die Misere. Bestimmte Sachen muss man vor der Veränderung und den Verbesserungsbestrebungen einfach schützen. Das (richtige!) Butterbrot gehört einfach dazu!

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Aus der Butterbrot-perspektive erscheinen übrigens das Griechenland-Debakel oder andere Verwerfungen der Weltpolitik geradezu lächerlich. Das Butterbrot – es ist die Konstante im Leben!
Foto: pixabay

Dez 31

Niemand mag Socken …

Wirklich? Jedenfalls behauptet es die Werbung, die recht penetrant in der Vorweihnachtszeit ausgestrahlt wurde:

Also auf mich trifft das nicht zu. Ich mag Socken, vor allem wenn sie passen. Vielleicht habe ich deshalb auch zu Weihnachten gleich 2 Paar bekommen. Dass Socken nun das Synonym für ein fades Geschenk ist, sei es drum, damit kann ich leben. Was aber ziemlich nervt, ist der gesellschaftliche Druck, der durch solche Werbung gewollt ist und zwangsläufig auch sehr verbreitet entsteht: immer größere, immer tollere und vor allem teurere Geschenke. Der Konsumwahn wird befeuert, bis es weh tut. Merkwürdig, bei mir bewirkte es wohl das Gegenteil. Ich beschloss zum Jahresende im neuen Jahr 2015 überhaupt keine Bekleidung zu kaufen, weder für mich, noch für jemand anderen. Einzige Ausnahme könnten Laufschuhe sein, die bei mir relativ zügig verschleißen und dann ersetzt werden müssen. Ansonsten: nichts.

Ob ich das schaffe? Klar, Socken habe ich ja genug, ansonsten denke ich habe ich von allem genug. Mut macht mir übrigens, dass das wohl schon mal jemand ausprobiert hat, der sicher von Hause aus schon mehr Sachen ‚braucht‘:

Das ist mein Beitrag zur Nachhaltigkeit dieses Jahr. Wenn sich das rumspricht und Schule macht, sind sicher einige froh, wenn sie wenigstens noch Socken verkaufen.